"Einfach mal was anderes machen"

Treysaerin ist vor fast 20 Jahren nach Neuseeland ausgewandert

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Ist vor fast 20 Jahren ausgewandert: Erika Pauer (65) und ihr Mann Walter sind aus der Schwalm nach Neuseeland gezogen. Kürzlich war sie zu Besuch in der alten Heimat, hier ist sie in Treysa, Bahnhofstraße zu sehen. 

Treysa/Neuseeland. "Ich wollte einfach mal was anderes machen. Aber ich habe lange geträumt, bis ich es endlich gemacht habe", sagt Erika Pauer.

Doch dann war die Veränderung radikal: Die Treysaerin ist vor fast 20 Jahren nach Neuseeland ausgewandert.

Damals habe sie gemeinsam mit ihrem Mann Walter vor einer Landkarte gesessen. Er wollte nach Alaska – dort wären ihr die Winter aber zu kalt. Mit Neuseeland war er einverstanden, erst recht nach einem langen Urlaub, in dem sie das Land erkundeten.

Jahrelang auf Einwanderungserlaubnis gewartet

Doch bis zum Umzug war es noch ein langer Weg. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis die Neuseeländischen Behörden sie einwandern ließen. Bei dem Test sei vor allem das Alter schwierig gewesen, außerdem wurde die Zeit des Mannes bei der Bundeswehr nicht als Berufsjahre anerkannt. Als der Brief mit der Erlaubnis endlich kam, waren die Kinder 18 und 20 Jahre alt und wollten nicht mehr mit – „da hätten wir das fast platzen lassen“, sagt Pauer. Doch die Kinder hätten sie und ihren Mann bestärkt.

Sie hatten dann ein Jahr Zeit, um alles zu organisieren. Das Haus in der Schwalm wurde verkauft, die meisten Möbel wurden weggegeben, der Rest in Containern verstaut und über den Seeweg auf die Reise in die neue Heimat geschickt, das dauerte einen ganzen Monat.

Nur vier Stunden Strom pro Tag

Doch die Mühen hätten sich gelohnt, sagt Erika Pauer. „In Neuseeland sind die Menschen ausgeglichener, es ist nicht so hektisch. Wir haben dort bisher ein gutes Leben gehabt.“ Und das, obwohl sie auf einigen Luxus verzichtet hat.

Das Ferienressort, das das Ehepaar bis vor Kurzem geführt hat, war nicht an das Straßennetz angeschlossen und nur per Boot oder Wasserflugzeug zu erreichen. Strom gab es morgens und abends jeweils zwei Stunden per Generator, Licht und Kühlschränke wurden über Batterien betrieben. Das Wasser kam aus einer Quelle in der Nähe. Was in der Schwalm die Waschbären sind, seien in Neuseeland Pinguine und Opossums: „Die machen nachts unter dem Haus furchtbaren Krach und futtern im Garten alles weg.“

Aussicht auf Orkas und Delfine

Um vieles musste sich Erika Pauer selbst kümmern: „Man kann nicht mal eben ins Telefon rufen, dass man einen Elektriker braucht.“ Diese Widrigkeiten seien aber wettgemacht worden durch die tolle Aussicht in der Bucht auf der Südinsel und durch Orkas und Delfine quasi im Garten.

Blick in die Bucht, in der die Pauers lebten: Vor der malerischen Südinsel drehen regelmäßig Orkas ihre Runden.

Momentan steht allerdings wieder eine große Veränderung an. Erika und Walter Pauer haben das Ferienressort abgegeben und ziehen an einen Ort mit besserer Infrastruktur, an dem sie alt werden können. In Kaikoura bauen sie sich ein Haus, natürlich selbst. Improvisation und handwerkliches Geschick haben sie schließlich in den vergangenen Jahren gelernt.

Ungefähr alle zwei Jahre zieht es Erika Pauer trotzdem zurück in die alte Heimat, dort besucht sie ihren Sohn und alte Freunde – und freut sich besonders auf das gute Brot.

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In dieser Gegend lebte Pauer:

Quelle: HNA

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