Rentner in Bad Zwesten wurden zu Opfern

Polizei warnt vor Betrügern: Trick des netten Mannes

Lieber unfreundlich als leichtgläubig: Um sich vor Betrug zu schützen, sollten Senioren misstrauisch gegenüber Fremden an der Haustür sein. Foto: dpa

Schwalm-Eder. Auch im Landkreis Schwalm-Eder sind Trickbetrüger unterwegs. Die Polizei warnt deshalb immer wieder davor, Fremde in die Wohnung zu lassen. Ebenso schnell, wie das Vertrauen erschlichen ist, sind Geld und Wertsachen verschwunden. So wie es erst vor kurzem in Bad Zwesten passierte.

„Im Schwalm-Eder-Kreis kommen solche Betrugsfälle nicht so häufig vor“, sagt Polizeipressesprecher Reinhard Giesa. „Genaue Zahlen über die Häufigkeit kann ich aber nicht nennen, weil die Kriminalstatistik solche Fälle nicht differenziert ausweist.“ Ungefähr 30 Vorträge hält er jedes Jahr zu diesem Thema. Die meisten davon in Seniorengruppen.

Vor allem ältere Menschen werden zu Opfern der Trickbetrüger. Die erzählen nicht nur glaubhafte Geschichten, sondern erwecken auch durch ihr Auftreten einen seriösen Eindruck. Ein Fall aus Bad Zwesten ist dafür ein gutes Beispiel:

„Ich habe ihn reingelassen. Das würde ich heute nicht wieder machen!“

Am 4. Januar klingelte gegen 11 Uhr ein Mann an einer Haustür in Bad Zwesten. „Ein netter Mann. Sympathisches und gepflegtes Auftreten, anständig gekleidet. 1,80 Meter groß, schwarze Haare“, sagt der 78-jährige Bad Zwestener, der ihm die Tür öffnete. Daran erinnert er sich noch gut. Er möchte nicht, dass sein Name oder der seiner Lebensgefährtin in der Zeitung steht. Zu groß ist die Angst, der Mann könnte zurückkommen.

„Er fragte, ob wir nicht ein paar alte Sachen im Haus hätten, die wir verkaufen wollen. Für einen Flohmarkt.“ Das kam wie gerufen. Der 78-Jährige und seine Lebensgefährtin hatten erst kürzlich einiges aussortiert. „Ich habe ihn reingelassen“, sagt der Rentner. „Das würde ich heute nicht wieder machen.“

Die beiden zeigen dem netten Mann eine alte Pendeluhr. Der ist begeistert, bietet 190 Euro. „Wir haben ihm noch andere Sachen gezeigt“, erinnert sich die 74-Jährige. Alte Bücher, Fotoapparate, Uhren, Schmuck. Der Mann schaut sich alles an. Macht Angebote. „Er hatte Ahnung. Einige Sachen hatte ich schon mal schätzen lassen. Es stimmte, was er sagte“, erinnert sich der Rentner. Am Ende bietet der nette Mann 3000 Euro für die Sachen. „Da hätten wir eigentlich misstrauisch werden müssen.“

Er habe nicht so viel Geld dabei, müsse nochmal zur Bank. Am Nachmittag wollte er wiederkommen. Vielleicht auch erst am nächsten Tag. Aber er kommt nicht wieder. Eine goldene Taschenuhr – ein Familienerbstück –, einen Ring aus Weißgold und eine Goldmedaille hatte er mitgenommen. Das merkten die Rentner jedoch zu spät. Sie erstatteten Anzeige bei der Polizei. Der finanzielle Verlust sei nicht so schlimm, sagt der 78-Jährige. „Am meisten ärgert mich, dass ich auf diesen Drecksack reingefallen bin.“

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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