Türkischstämmige Wolfhagerin bekommt Stipendium für ihren Weg zum Abitur

Bekommt ein Stipendium: An der Wilhelm-Filchner-Schule war Merve Altindag die Erste, die ein Kopftuch trug. Foto: Lawatzki

Wolfhagen. Seit dem neuen Schuljahr wird Merve Altindag mit dem Start-Stipendium von der Hertie-Stiftung gefördert. Damit werden Oberstufenschüler mit Migrationshintergrund unterstützt.

Merve Altindag hat große Ziele: Sie möchte Vorurteile abbauen. „Auch mit dem Kopftuch kann man viel erreichen“, sagt die 17-Jährige, die in Wolfhagen lebt und die Max-Eyth-Schule in Kassel besucht.

Als die Jugendliche neun Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie von der türkischen Hauptstadt Istanbul nach Wolfhagen. Ihr Onkel lebte bereits seit einiger Zeit dort. „Der hat so viel von Deutschland erzählt, dass ich mich auf den Umzug gefreut habe“, sagt Merve Altindag. Für den Schritt, aus der Türkei wegzugehen, entschied sich ihr Vater, um seinen Kindern eine bessere Bildung zu gewährleisten. „In der Türkei mussten wir nie Hausaufgaben machen und die Schüler wurden manchmal noch mit dem Lineal geschlagen.“ Rückblickend betrachtet, ist sie froh, dass ihre Familie damals nach Deutschland ging.

Dennoch sei die Umstellung groß gewesen. „Im Vergleich zu Istanbul ist Wolfhagen ein sehr ruhiges Dorf.“ Schnell hat sie in der Grundschule neue Freunde gefunden und in kurzer Zeit Deutsch gelernt. Doch was in ihrer Heimat normal ist, war an der Wilhelm-Filchner-Schule zunächst ungewohnt: „Ich war die Erste, die ein Kopftuch getragen hat. Am Anfang wurde ich deswegen oft komisch angeschaut.“ Mittlerweile sei das aber auch in Wolfhagen normal.

Nach dem Realschulabschluss wechselte Merve Altindag in diesem Schuljahr an die Max-Eyth-Schule in Kassel, um dort ihr Abitur zu machen. Von einem Lehrer wurde sie noch an der Filchner-Schule angesprochen, ob sie sich für das Stipendium bewerben möchte. Nach mehreren Runden, in denen sie Motivationsschreiben abgeben und mit einer Jury sprechen musste, kam schließlich die Zusage.

Jetzt erhält sie monatlich eine finanzielle Unterstützung. Viel wichtiger ist ihr aber die ideelle Förderung: Sie bekommt die Möglichkeit, an Seminaren teilzunehmen und lernt dabei andere Schüler mit Migrationshintergrund aus ganz Deutschland kennen. „Das ist für mich sehr spannend. Und mit den anderen kann ich mich gut austauschen.“ Merve Altindag ist ehrgeizig und investiert viel Zeit in die Schule. Nach dem Abitur will sie Architektur studieren. Und sie hat den festen Entschluss: „Ich möchte etwas aus meinem Leben machen.“

Quelle: HNA

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