Eröffnung am Sonntag

Weißstickerei-Ausstellung im Museum der Schwalm

+
Die Vorbereitungen sind in vollem Gange: von links Elisabeth Stübing zeigt mit den Dekorateuren Karl Ludolph und Klaus Langner einige Exponate.

Ziegenhain. Bilder sind es nicht, die in der neuen Ausstellung im Museum der Schwalm in Ziegenhain ab Sonntag im Mittelpunkt stehen – und doch haben die Exponate jede Menge mit Kunst zu tun. Denn gezeigt werden ausgesuchte Stücke einer filigranen Volkskunst – der Schwälmer Weißstickerei.

Seit mehreren Tagen ist das Team um Stickerei-Expertin Elisabeth Stübing mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Alle Exponate stammen von Stickerinnen aus der Schwalm, aber auch der weiteren Umgebung. „Seit Anfang der 1960er-Jahre bietet die Volkshochschule Kurse an. Damit wird auch die kulturhistorische Bedeutung unterstützt“, sagt Stübing, die selbst seit jener Zeit begeisterte Stickerin ist.

Angesprochen hat die Ziegenhainerin für die aktuelle Ausstellung zwischen 35 und 40 Frauen. Alle haben ihre schönsten Decken, Läufer und Tafeltücher zur Verfügung gestellt. „Die Auswahl soll die große Vielfalt zeigen und vor allem neue Anregungen geben“, erläutert die Expertin. Denn neben klassischen Schwälmer Motiven wie der Herztulpe oder dem Stern finden sich auf dem meist handgewebten Leinen auch moderne Interpretationen wider: Stickerinnen haben den Stern schlicht in Szene gesetzt, mit neuen Figuren wie Engeln oder Tieren kombiniert, Teile mit einem alten Verbindungsstich kunstvoll zusammen gefügt.

Dass die Kunstfertigkeit die Jahrhunderte überdauert hat, wundert Elisabeth Stübing nicht: „Manchmal waren es nur wenige Frauen, aber die Technik wurde immer weiter gegeben und gepflegt.“ Woher die Volkskunst komme, könne nur vermutet werden. Ehemalige Nonnen hätten nach der Auflösung der Klöster die Fertigkeit mitgebracht. Der Beruf der Stickerin habe sich im 17. Jahrhundert etabliert. Bis heute sei das Sticken für Menschen eine Einnahmequelle. In modernen Zeiten stelle die Handarbeit zudem eine Möglichkeit der Entspannung dar: „Sticken ist eine Herausforderung und erfordert Konzentration und Vorstellungsvermögen“, erklärt die Ziegenhainerin. Bis heute habe die Weißstickerei ein hohes Ansehen – auch außerhalb Deutschlands. Regelmäßig kämen Frauen aus Japan oder Australien, um die Fertigkeit im Museum zu erlernen. Seit 40 Jahren würden Kurse angeboten. In die Ausstellung einführen wird am Sonntag die Nausiserin Friederike von Strenge.

• Eröffnung ist am Sonntag, 11 Uhr, im Museum der Schwalm in Ziegenhain. Die Ausstellung ist bis zum 20. Mai, das Museum dienstags bis sonntags von 11 bis 17 geöffnet.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare