Tunnelbau in Zierenberg: Transportrouten für den Abraum stehen noch nicht fest

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Uwe Kneißl

Dörnberg. Es sind vor allem die tonnenschweren Lastwagen, die in einem Jahr auf die Gemeinde Habichtswald zurollen könnten und die den Bewohnern Dörnbergs und Ehlens Kopfschmerzen bereiten. Am Mittwochabend gab es deswegen eine Bürgerversammlung.

Allerdings war der nur eine Handvoll Einwohner gekommen, um mit Vertretern der Deutschen Bahn über das Logistikkonzept zu diskutieren, das für den Tunnelneubau bei Zierenberg erstellt werden soll.

Schon ab Sommer 2015 will die Kurhessenbahn wenige Meter neben der alten, baufälligen Röhre eine neue, etwa 900 Meter lange ins Gestein treiben. Während sich die Zierenberger vor allem Gedanken machen um Lärm, befürchtet man in der Nachbargemeinde Beeinträchtigungen durch massiven Verkehr.

10.000 Lkw-Ladungen 

Uwe Kneißl, Portfoliomanager bei der Bahn, rechnete vor, dass über einen Zeitraum von 17 Monaten 10.000 mit Abraum beladene Lastwagen auf den Weg geschickt werden. Während der Arbeitszeit am Tunnel wären dies pro Tag bis zu 50 Touren. Da die Transporter wieder zum Tunnel zurück müssen, erhöht sich die Zahl der Fahrten auf 100 pro Tag. Hinzu kämen für einen Zeitraum von sieben Monaten zusätzliche 60 Fahrten (Hin- und Rückfahrt), über die der Beton für die Verschalung des Tunnel angeliefert werden soll.

Für Unmut bei Bürgermeister Thomas Raue und einigen Besuchern sorgte die Tatsache, dass die Bahn zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen kann, wohin der Abraum transportiert werden wird. Und auch über welche Straßen der Beton geliefert wird, ist noch offen. Hans-Martin König, bei der Deutschen Bahn zuständig für die Infrastrukturplanung, sagte, dass dies die Ausschreibung ergeben wird, die gegen Jahresende auf den Weg gebracht werde. „Wir können keine Deponien verbindlich vorgeben“, sagt auch Kneißl. Das wiederum ziehe nach sich, dass ein Logistikkonzept, in dem die Abfuhr- und Anlieferrouten skizziert werden, derzeit keinen Sinn mache.

Die Bahn habe sich an das Abfallkreislaufwirtschaftsgesetz zu halten. Demnach muss Abfall in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. So könne es passieren, dass sich zum Zeitpunkt der Abbrucharbeiten irgendwo im Umkreis eine Baustelle auftue, auf der der Abraum verbaut werden könnte. Und den Abfall, der sich dann zum Rohstoff wandelt, wolle die Kurhessenbahn gern verkaufen. „Wir müssen wirtschaftlich denken. Schließlich leben wir von Steuergeld“, sagt Hans-Martin König. Zudem wüssten die Transportfirmen viel besser, wo das Material benötigt werde und welche Deponie es aufnehmen könne.

König und Kneißl machten auf einen weiteren Aspekt aufmerksam. „Wir haben in Deutschland ein freies Fahrgebot.“ Mit anderen Worten: Die Firmen dürfen jede Straße benutzen, sofern es keine baulichen oder lastbedingten Einschränkungen gibt.

Das sagt Bürgermeister Thomas Raue:

Habichtswalds Verwaltungschef Thomas Raue fordert für den Abraumtransport ein anderes Vorgehen: Im Vorfeld soll festgelegt werden, auf welche Deponien sich die Massen verteilen. Und für die davon betroffenen Orte soll ein Logistikkonzept erstellt werden, an das sich die mit der Abfuhr beauftragten Unternehmen zu halten hätten. Nur so lasse sich die Belastung für Anwohner auf ein erträgliches Maß minimieren.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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