Tunnelbaustelle der Bahn bei Zierenberg: Dumpfes Grollen tief im Berg

Zierenberg. Weit mehr als 1000 Besucher nutzten die Möglichkeit, sich die Tunnelbaustelle der Bahn bei Zierenberg anzusehen. Bei Führungen in der zurzeit gut 130 Meter langen Röhre gab es von den Tunnelbauern Interessantes zu erfahren.

Günter Hacker

Es kann einem schon ein wenig mulmig werden auf den gut 130 Metern, die einen mitten hineinführen in die Gebirgstiefen zwischen Zierenberg und Calden-Fürstenwald. Auch wenn die mit Spritzbeton frisch versiegelten Wände des neuen Eisenbahntunnels durch das warme Licht der Scheinwerfer effektvoll angestrahlt und das vorläufige Ende der Röhre mit leuchtendem Kreuz und riesigem Adventskranz in eine kleine Kapelle verwandelt werden, ist vielen Besuchern des Tunnelfestes am Samstag doch nicht wohl, wenn im benachbarten, alten Tunnel die Züge rattern und ein dumpfes Grollen bis rüber in den Neubau schallt.

Das hören die Arbeiter im Alltag zwischen all den lärmenden Baumaschinen zwar nicht, mulmig aber ist dem ein oder anderen durchaus mal. Manchen hilft dann der Glaube an die heilige Barbara, seit dem Mittelalter Schutzpatronin für den Berg- und Tunnelbau. Der Legende nach flüchtete die junge Frau Ende des dritten Jahrhunderts vor der Grausamkeit ihres Vaters in einen Felsspalt, der sich vor ihr an einem Berg öffnete. Seitdem bewahrt sie vor Unfällen und Tod bei der Arbeit im Berg.

Barbarafigur gibt Kraft 

So auch auf der Zierenberger Baustelle, wo weit über 1000 Tunnelfestbesucher eine Tags zuvor in einem Gottesdienst gesegnete Barbarafigur bestaunen, die vor allem Günter Hacker Kraft gibt.

Hans-Martin König

„Der 4. Dezember, der Barbaratag, ist immer etwas Besonderes für mich“, sagt der gebürtige Österreicher, der mit Leib und Seele Tunnelbauer ist. Er hat eine besondere Beziehung zur Schutzpatronin, hat er selbst schließlich schon drei schwere Unfälle überlebt.„Ich hatte Glück im Unglück, wurde während der Arbeit zweimal verschüttet und hatte einen sehr schweren Sprengunfall.“ Angst habe er im Alltag dennoch nicht, Respekt hingegen immer, „ohne den wäre es gefährlich“.

Es sind Geschichte wie die von Günter Hacker, die viele Zierenberger nun ganz anders auf die Großbaustelle zu Füßen des Schreckenberges blicken lassen. „Die Männer leisten hier unter enormem Druck wirklich Großes, da können wir wirklich mal über manch nervendes Warnsignal - auch in der Nacht - hinwegsehen, Sicherheit sollte oberste Priorität haben“, sagt eine Anwohnerin, die froh ist, die Tunnelführung mit ihren vier Erklärstationen mitgemacht zu haben. Darüber freut sich auch Hans-Martin König, Leiter Infrastruktur bei der Kurhessenbahn: „Die Bürger haben unter Beeinträchtigungen durch die Baustelle zu leiden - das wissen wir und können nur auf Verständnis hoffen, nachdem sie nun einmal im Tunnel drin waren und gesehen haben, wie hier gearbeitet und was von den Männern geleistet wird."

Mehr als 1000 Besucher kamen zur Tunnelbaustelle

Quelle: HNA

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