Turm aus Glas oder Metall - Entwürfe für Turm am Hochzeitshaus

Fritzlar. Die Entscheidung über den Umbau des Hochzeitshauses ist vertagt. Die Mitglieder des Plan- und Umweltausschusses haben in ihrer Sitzung Mittwoch geschlossen dafür gestimmt, die Entscheidung über einen Anbau zu verschieben.

Bei einem Ortstermin wollen sie die Entwürfe des Kasseler Architekturbüros Roller diskutieren.

Wie berichtet, könnte das Hochzeitshaus in Fritzlar einen Anbau bekommen. In das zwölf Meter hohe Bauwerk sollen eine Treppe und ein Aufzug integriert werden, um so die Auflagen des Brandschutzes und der Barrierefreiheit zu erfüllen. In der Sitzung hat Architekt Oliver Mann zwei Entwürfe vorgestellt.

Zwei Arbeitsaufträge 

„Wir hatten zwei Arbeitsaufträge“, erklärte Mann. Zum einen sollten zwei bauliche Varianten ausgearbeitet werden. Zum anderen sollte das Büro prüfen, ob der Turm nicht auch auf dem angrenzenden Parplatz hinter der Hofmauer errichtet werden könnte. Letzteres sei eine „schwierigere Kontruktion“. Der Steg würde dann neun Meeter länger werden. Mann rechnet mit Mehrkosten von etwa 40 000 Euro.

Bei den Überlegungen hätten sich die die Architekten von Anfang an auf nicht brenbare Materialien wie Stahl, Stahlbeton und Glas konzentriert. „Holz haben wir außen vor gelassen“, erklärte Mann. Bei beiden Entwürfen sei das Bauwerk in zwei Teile gegliedert. Der erste besteht aus einem Sockel aus Naturstein für eine „natürliche Einfügung in den Hof“. Der zweite Teil besteht beim einen Entwurf aus Glas, beim anderen aus Metall.

Der Metall-Entwurf 

Eine Planungsvariante: Auf einem massiven Sockel aus Natursteinen könnte ein goldfarbener Metallkörper aufgesetzt werden. Über zwei Stege wäre er mit dem Hochzeitshaus verbunden.

„Mit der goldenen Legierung ist das Metall vor dem Hintergrund der roten Fachwerk-Fassade des Hochzeitshauses eine angemessene Materialwahl“, betonte Architekt Oliver Mann. Schließlich wolle man ein Bauwerk schaffen, dass sich nicht verstecken müsse und kein reiner Zweckbau sei.

Der Glas-Entwurf 

Zweite Variante: Auf den Sockel setzt ein Glaskörper auf. Er ist nicht komplett durchsichtig, sondern mit einer Textur belegt, die sich „nach oben hin auflöst“.

Mit dem zweiten Entwurf möchte das Architekturbüro dem Wunsch nach hoher Transparenz gerecht werden. Auf den Sockel setzt ein Glaskörper auf. Er ist nicht komplett durchsichtig, sondern mit einer Textur belegt, die sich „nach oben hin auflöst“. Das Treppenhaus und der Aufzug sind von außen deutlich sichtbar.

„Wir sind an einem Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen“, sagte Bürgermerister Hartmut Spogat. Entweder man stimme für den Turm, damit auch das erste und zweite Obergeschoss des Hauses genutzt werden kann. Oder man stimme gegen den Turm und habe dann nur im Erdgeschoss ein Museum.

Dr. Ulrich Skubella sorgt sich um das künftige Erscheinungsbild des Hochzeitshauses. „Ein Turm wäre eine städtebauliche Sünde“, sagte der Ehrenbürger der Stadt Fritzlar in der Ausschusssitzung am Mittwoch.

Es solle nicht vergessen werden, dass das Hochzeitshaus ein „Kernpunkt im touristischen Mosaik der Stadt“ sei. Das Haus biete als Publikumsmagnet eine große Chance für Fritzlar, erklärte Skubella.

Zuvor hatte er sich in einem Brief an die Fritzlarer Fraktionsvorsitzenden gewandt. Darin entwarf er einen Weg, wie der Turm mit Treppenhaus und Fahrstuhl doch zu umgehen sei. „Entscheidend für die Verschärfung der Auflagen ist der Versammlungsraum in der zweiten Etage“, schreibt Skubella. Bis zu 200 Besucher könnten darin Platz finden.

Bei einem Verzicht auf einem solchen Raum und bei normalem Museumsbetrieb, so Skubellas These, wäre die ursprüngliche Konzeption akzeptabel. „Dann könnte der Brandschutz anders aussehen“, erklärte Skubella. Ein Turm sei nicht notwendig. Für Thomas Horn, Leiter der Bauaufsicht beim Schwalm-Eder-Kreis, ist der Turm unabhängig von der künftigen Nutzung unabdingbar. „Ein Aufenthaltsraum braucht zwei voneinander unabhängige Rettungswege“, verdeutlichte Horn. Das sei eine Grundforderung der hessischen Bauordnung. Bislang habe das Hochzeitshaus bis auf das Erdgeschoss, in dem man ohne Probleme rein- und rausgehen kann, keinen Rettungsweg. Eine Stahltreppe an der Außenseite des Gebäudes - wie sie auch mal angedacht war - reiche nicht aus. Dann habe man nur einen Rettungsweg für das erste und zweite Obergeschoss. Schließlich gelte die Treppe im Hochzeitshaus nicht als sicher begehbar. Sie ist nämlich nur teilweise aus Stein, der Rest ist Holz. Im Nachhinein eine sichere Treppe einzubauen, ist laut Horn nicht möglich. „Das schädigt das Gebäude massiv.“

Mit einem so genannten Evakuierungsturm würde die Stadt die Brandschutzauflagen hingegen erfüllen. „Er ist abgerückt vom Gebäude, und das Feuer kann dort nicht eindringen“, erklärte Thomas Horn. Der Leiter der Bauaufsicht sieht in dem Turm die „optimale Lösung“.

Quelle: HNA

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