HNA-Interview über Stammzellenspende

Typisierungsaktion: Expertin klärt über Stammzellenspende auf

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Rabea Karthoff

Schwalmstadt. Kader (14), Sibel (12) und Mustafa (5) haben nur durch eine Stammzellentransplantation die Chance auf ein normales Leben. In Wasenberg wird für die drei Geschwister eine Typisierungungsaktion am Samstag, 16. März, vorbereitet.

Wir sprachen mit Rabea Karthoff von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei.

Frau Karthoff, wer kommt als Spender in Frage, wer nicht?

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Rabea Karthoff: Grundsätzlich kommt jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren, der mindestens 50 Kilogramm wiegt, als Spender in Frage. Ausschlussgründe sind beispielsweise schwere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge, chronische Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Krebserkrankungen, Hepatitis B, C oder D.

Wie läuft die Registrierung am Aktionstag ab?

Karthoff: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut aus der Armvene entnommen.

Wonach wird die Blutprobe untersucht?

Rabea Karthoff: Bei einer Typisierung werden die Gewebemerkmale des Blutes bestimmt. Die Blutgruppe spielt hier keine Rolle. Die Befunde werden anschließend anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Die Aufnahme in die DKMS kostet 50 Euro. Wofür wird das Geld benötigt?

Rabea Karthoff: Die Bestimmung der Gewebemerkmale des Blutes, die Typisierung, ist eine sehr aufwendige Laboruntersuchung. Für die Neuaufnahme eines potenziellen Lebensspenders entstehen der DKMS Kosten in Höhe von 50 Euro, die weder von den Krankenkassen übernommen noch staatlich bezuschusst werden, sondern allein durch Spendengelder finanziert werden müssen. Wir wissen natürlich, dass nicht jeder seine Registrierungskosten selbst tragen kann. Aber auch kleine Beträge helfen. Jeder Euro zählt.

Wann kommt man als Stammzellenspender in Frage?

Rabea Karthoff: Die Gewebemerkmale von Patient und Spender müssen nahezu hundertprozentig übereinstimmen, damit eine Transplantation erfolgreich durchgeführt werden kann. Anders als bei den verschiedenen Blutgruppen, ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zweier Menschen allerdings äußerst selten.

Was passiert bei einer Knochenmark- oder Stammzellentnahme?

Rabea Karthoff: Es gibt zwei verschiedene Entnahmeverfahren. Seltener durchgeführt wird inzwischen die Knochenmarkentnahme, bei der dem Spender das Blut-Knochenmarkgemisch unter Vollnarkose direkt aus dem Beckenkamm - nicht etwa Rückenmark - entnommen wird. Es bildet sich übrigens nach zwei Wochen wieder vollständig nach.

Und die Alternative?

Karthoff: Die wesentlich häufigere Methode ist die periphere Stammzellentnahme: Dem Spender wird über mehrere Tage ein Medikament verabreicht, welches die Produktion der Stammzellen im Knochenmark anregt und diese in die Blutbahn ausschwemmt. Nach dieser Vorbehandlung werden die Stammzellen über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt.

Muss sich der Spender auf einen längeren Krankenhausaufenthalt gefasst machen?

Karthoff: Nur bei der Knochenmarkentnahme ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, der etwa zwei bis drei Tage dauert. Die periphere Stammzellspende wird ambulant durchgeführt und dauert in der Regel vier Stunden.

Welche Risiken gibt es bei der Stammzellentnahme?

Karthoff: Bei der Knochenmarkentnahme besteht für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz. Das Risiko beschränkt sich bei dieser Methode auf das übliche Narkoserisiko. Bei der peripheren Stammzellspende können während der Vorbereitungsphase grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt. (syg)

Quelle: HNA

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