Vor der Wahl Ende Mai

Einfluss der EU auf Landwirtschaft ist enorm

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Hier wächst der Zucker von morgen: Georg Koch auf seinem Rübenfeld bei Udenborn. Jeder Quadratmeter, den Koch bewirtschaftet, muss der EU gemeldet werden.  Foto: Dellit

Udenborn. Ende Mai wählen die Bürger in der EU zum achten Mal das Europäische Parlament. Wir zeigen auf, wo überall EU drin steckt. Der Einfluss auf die Landwirtschaft ist enorm,

Wenn Landwirt Georg Koch ab dem nächsten Jahr auf fünf Prozent seiner Ackerfläche nicht mehr anbauen darf, was er will, dann hat das zuvor die Europäische Union so entschieden. Ökologische Vorrangfläche heißt das, was dann entstehen soll.

In einem landwirtschaftlichen Betrieb, wie dem von Koch in Udenborn, steckt überall Europa drin. Kein Wunder, dass der 50-Jährige mit Blick auf die Wahl sagt: „Es ist eklatant wichtig, wer in Brüssel welche Entscheidungen für uns trifft.“

Koch ist auch Vorsitzender der Zuckerrübenanbauer Kassel. Der Zuckermarkt in Europa ist in einer komplizierten Ordnung geregelt. Diese soll 2016/2017 auslaufen, erläutert Koch. Dann müsse man sich dem Weltmarkt stellen, jedenfalls beinahe. „Den ganz freien Markt wird es nicht geben“, prognostiziert er; wohl aber schwankende Preise.

Koch geht davon aus, dass es in Europa weiterhin möglich sein wird, Zuckerrüben gewinnbringend anzubauen. Die Umstellung werde aber schwierig, denn es würden wohl große Zuckermengen auf den Markt gespült, was die Preise unter Druck bringe. Sollte es größere Probleme für die Rübenbauern geben, hoffe er auf ein Einschreiten der Politik.

Auch dann wäre die EU gefragt. Die Landwirte nutzen ihre Verbände, damit ihre Interessen in Brüssel gehört werden. Koch erinnert daran, dass die gemeinsame Agrarpolitik einer der Grundpfeiler zur Gründung der EU war. Das sei heute immer noch sehr wichtig, gerade im Kontakt mit der Welthandelsorganisation: „Wir brauchen einen starken Partner bei den WTO-Verhandlungen.“

Doch die EU ist nicht nur Partner für die Landwirte, sondern oft auch ein Ärgernis. Vor allem die überbordende Bürokratie sorgt für Unmut. „Ich sitze manchmal einen ganzen Tag an einem Agrarantrag“, sagt Koch. Jeder Quadratmeter Ackerfläche müsse dokumentiert werden und auch, was wo angebaut wird. Die Zeiten des Spruchs mit den dummen Bauern und den dicken Kartoffeln – wenn es sie jemals gab – sind lange vorbei. „Wir haben heute im Schnitt sehr gut ausgebildete Landwirte“, sagt Koch. 

Ohne Europa geht auf den heimischen Feldern fast nichts mehr. Ist die EU nun also aus Sicht der Bauern eher Fluch oder Segen? Koch sagt: „Sie ist eher ein Segen, weil wir weltweit mit allen Produkten vernetzt sind.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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