Stadtschwätzer vom Dienst

Udo Lohr tritt seit 40 Jahren im Treeser Karneval auf

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Ein echtes Urgestein: Seit 1980 ist der Treysaer im Karnevals-Komitee der Liedertafel aktiv.

Als Kind war Udo Lohr der Klassenclown.

„Ich bin quasi Dummschwätzer von Geburt an“, kommentiert er sein doch recht loses Mundwerk nicht ganz ohne Stolz. Seine Qualitäten schätzt auch das Karnevals-Komitee der Liedertafel in Treysa. Seit 40 Jahren steht der Treysaer Session um Session auf der Bühne – in der Bütt parliert er frank und frei über politische Scharmützel und Parteien-Geplänkel.

Seit 1980 Mitglied im Männerchor

Urgestein Herbert Lambrecht führte Lohr in das närrische Treiben ein. 1980 wurde er Mitglied des Männerchores der Liedertafel. Im November trat Lohr, damals noch im Burgsaal, mit den „Treeser Schoppenstechern“ auf, zwölf Jahre lang leitete er die Gruppe. Auch bei den „Beigefreiten“ gab er seinen Senf dazu, ebenso wie bei den „Treeser Stadtschwätzern“.

Die Texte stammten überwiegend aus der Feder des 66-Jährigen. Auch als Autor war Lohr gefragt – er schrieb unter anderem Reden für „Blondchen“ Kristine Schäfer. 2003 und 2004 moderierte der Treysaer als Sitzungspräsident zusammen mit Günter Felgenhauer die viereinhalbstündigen Prunksitzungen.

Seit 40 Jahren nur ein Mal pausiert

Seit 1980 hat Lohr tatsächlich nur ein Mal pausiert. Im Rampenlicht fühlt sich der pensionierte Finanzbeamte einfach zu wohl. Wenngleich er auch das Stadtgeschehen gern und ausgiebig kommentiert, im Karneval setzt er heute auf das große Ganze – „was in Hessen und im Land politisch passiert, treibt mich um“. Deshalb ist Lohr mindestens ab November im Karnevals-Modus. „Wenn mir etwas einfällt, schreibe ich es auf – auch gern mal auf einen Bierdeckel oder Kassenbon“, erzählt der 66-Jährige, der sein Publikum aus dem Effeff kennt. Um die 15 Minuten dauern Lohrs Auftritte, nach 120 Zeilen muss Schluss sein. Nur zum Jubiläum in diesem Jahr gönnt sich der Treysaer 160 Zeilen Textlänge. Kabarettgrößen wie Urban Priol und Dieter Nuhr sind Lohrs Vorbilder. Auf Tiefgründigkeit muss der Treysaer in seinen Versen aber weitestgehend verzichten – „da mache ich mir keine Illusionen, ich kann Themen nicht tiefgründig beleuchten, im Karneval muss ich sie oberflächlich verkalauern“, sagt der Treysaer.

Ein echtes Urgestein: Seit 1980 ist der Treysaer im Karnevals-Komitee der Liedertafel aktiv. 

Längst ist die komplette Familie närrisch: Lohrs Frau sorgt für das perfekte Kostüm – in dieser Session mimt der 66-Jährige eine Putzfrau im Bundestag. Tochter Kathrin steht ebenfalls in der Bütt.

"Ich bin eine Rampensau"

Zeitungsausschnitte von den Sitzungen füllen mittlerweile mehrere Ordner im Hause Lohr. „Natürlich sieht man sich da gern“, freut sich der Treysaer, der noch lange nicht ans Aufhören denkt. „Ich bin eine Rampensau – durch und durch.“ In Treysas Kulturszene ist er eine feste Größe – Kellerkulturnacht, die Kofferzocker-Aktion, das Johannisfest – nichts läuft ohne Udo. Und so soll es, wenn es nach dem 66-Jährigen geht, auch noch lange bleiben. Ganz getreu des Ausmarschliedes, das er sich für den 40. Auftritt gewünscht hat: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.“

TERMINE

Die Prunksitzungen finden am Samstag, 15., und Samstag, 22. Februar, jeweils ab 19.30 Uhr in der Festhalle Treysa statt. Für die erste Sitzung sind noch Tickets erhältlich, und zwar im Brillenstudio Langer in Treysa. Sie kosten im Saal 19, unter der Empore 13 Euro, auf der Empore, 1. Reihe, ebenfalls 19 Euro. Gruppenermäßigung gibt es ab acht Personen ab dem mittleren Quergang zum Preis von 11 beziehungsweise 15 Euro. Der Kinderkarneval mit Tageskasse findet am Sonntag, 23. Februar, ab 14 Uhr statt. Erwachsene zahlen 5, Kinder 2 Euro Eintritt

Quelle: HNA

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