Fritz Voit (66) leitet in Melsungen kommissarisch die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters

Über allem die Familie

Angestammter Platz: Fritz Voit sitzt am Magistratstisch auf dem Stuhl des Ersten Stadtrates. Vor Kopf sitz der Bürgermeister, an der Wand die Ahnengalerie. Foto: Dewert

Melsungen. „Mir fehlen die Ellenbogen, vielleicht bin ich auch zu bequem“, das sagt Fritz Voit. Einer, der zwar seit November die Amtsgeschäfte Melsungens leitet, aber nie Ambitionen auf das Bürgermeisteramt hatte.

Der 66-jährige pensionierte Lehrer ist Erster Stadtrat und seit der Erkrankung und dem plötzlichen Tod von Dieter Runzheimer Chef im Rathaus.

Als ein sehr trauriges Kapitel seines Lebens bezeichnet Voit die vergangenen Wochen und Monate. Seit den Herbstferien im Oktober und noch bis zum Antritt des neuen Bürgermeisters im Juni wird er dann im Amt gewesen sein.

Kein Strippenzieher

Sieben Monate, in denen er ehrenamtlich alle Rechte und Pflichten wahrnimmt. Das sei doch selbstverständlich, sagt er. Das klingt bescheiden, das klingt nach Fritz Voit. Dünkel ist ihm fremd, Eitelkeit genauso. „Ich bin niemand, der Strippen zieht“, sagt er. Vielmehr ist er jemand, dem man vertraut. In der Familie mit fünf Kindern genauso, wie in der Politik. „Der Erste Stadtrat ist ein Stück näher dran. Das stimmt. Ihm muss der Bürgermeister Vertrauen können“, sagt Voit mit zurückhaltender Stimme und lächelt.

Er ist kein Lautsprecher und Parteisoldat, eher traut man ihm salomonische Urteile zu. Er will vereinen, nicht polarisieren.

Ganz sicher ist seine Ruhe seine Stärke. Aber dabei ist er umtriebig. „Meine Frau übrigens auch“, sagt er. Vielleicht sei das sogar das Rezept für eine lange, schöne und harmonische Ehe, sagt er, und sein Lächeln wird noch breiter.

Voit ist im geschäftsführenden Vorstand der MT Melsungen, war viele Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD in Melsungen, Gauturnwart im Schwalm-Eder-Kreis, er ist im Deutschen Gewerkschaftsbund (GGB) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aktiv, pflegt eine Lehrersportguppe und eine Altersturngruppe und unterrichtet eine Kinderturngruppe.

Familie im Mittelpunkt

Dabei bleibt ihm noch Zeit für seine Frau und seine fünf Kinder. „Unbedingt“, sagt er. Um die drehe sich alles. Die Familie sei der absolute Mittelpunkt. Und ohne deren Einverständnis habe er nie irgendetwas zugesagt oder ein Amt übernommen. Er liebe diese Lebendigkeit einer Großfamilie, sagt er, der als Einzelkind bei der Mutter aufwuchs. „Vielleicht ist genau das der Grund?“, spekuliert er.

Als Flüchtling aus dem Sudetenland kam sie nach Deutschland. 1946 war das, dem Jahr seiner Geburt. Das Licht der Welt erblickte er zwar in München, aber es ging sogleich weiter nach Melsungen, seiner Heimat.

Und der möchte er etwas zurückgeben. „Bei all der ehrenamtlichen Arbeit ging es mir nie um Ehre und Anerkennung. Das ist absolut zweitrangig.“ Man glaubt es ihm.

Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Loyalität schätzt er. „Meine Aufgabe ist es daher, die Geschicke der Stadt im Sinne Dieter Runzheimers zu lenken. „Wobei“, relativiert er „lenken ist zu stark.“ Von ihm seien in den vergangenen Wochen nur wenige Impulse gekommen. „Ich bin eben kein Bürgermeister.“ Ganz besonderes Lob gebühre außerdem der hervorragenden Verwaltung. Ohne deren tägliche Vorbereitung wäre er aufgeschmissen gewesen.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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