Übergewichtige konnte nicht untersucht werden

Frau steckte in der Röhre fest

Nicht groß genug: Übliche MRT-Geräte haben einen Durchmesser von 60 bis 70 Zentimeter. Für viele übergewichtige Patienten reicht das nicht aus. Unser Bild zeigt die Untersuchung eines normalgewichtigen Patienten. Foto:dpa

Borken/Reinhardshausen. "Mir war noch nie etwas so unangenehm", sagt Karin Müller. Die Frau sollte zu einer MRT-Untersuchung, passte aber aufgrund ihres Körperumfanges nicht in die Röhre.

Während sie erzählt, verändert sich die Gesichtsfarbe der Frau, die eigentlich nicht Karin Müller heißt, aber ihren richtigen Namen nicht nennen will. Aus Scham.

Ihre Stimme klingt gehetzt, so als wolle sie die Geschichte so schnell wie möglich erzählen und dann für immer vergessen. Doch so einfach geht das nicht. Zu tief sitzt die Pein.

Eigentlich sollte ihr eine Magnetresonanztomographie (MRT) vor einer anstehenden Operation Aufschluss über das geben, was da an ihren Eierstöcken wuchert. Ihre Frauenärztin hatte einen etwa zehn Zentimeter großen Tumor an einem ihrer Eierstöcke festgestellt.

Eine genauere Beurteilung der Organe und krankhafter Veränderungen sollte durch die MRT-Untersuchung erfolgen. Doch kam es nicht dazu. Denn Karin Müller ist dick. Zu dick für diese Untersuchung.

Die 1,70 Meter große Frau wiegt etwa 150 Kilogramm. Wie viel genau, das weiß sie nicht. Doch was sie jetzt weiß ist, dass es im Schwalm-Eder-Kreis und auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg kein MRT-Gerät gibt, in dem sie untersucht werden kann. Grund dafür: "Die Geräte haben einen Durchmesser von 60 bis 70 Zentimeter und sind somit für Menschen mit starker Adipositas zu eng", erklärt Dr. Gert Mariß, Facharzt für Radiologie in Bad Zwesten und Reinhardshausen. Der Durchmesser entspricht in etwa dem einer handelsüblichen Satelliten-Antenne.

Was das bedeutet, hat Karin Müller jetzt hautnah erlebt. "Ich war aufgeregt. Musste mich ausziehen, das war mir schon peinlich. Habe mich auf die Liege gelegt, dann begann die Fahrt in die Röhre. Sie ging aber nur bis zu meinem Bauch, dann war Schluss. Die Untersuchung konnte nicht stattfinden, weil ich nicht in das Gerät gepasst habe", sagt sie und schämt sich dabei.

In einer Zeit, in der immer mehr Deutsche unter Übergewicht leiden, ist das ein zunehmendes Problem, sagt eine Ärztin aus Bad Zwesten. "Die Mitarbeiter der Klinik in Reinhardshausen waren verständnisvoll und haben versucht, die peinliche Situation nett zu verpacken", sagt Karin Müller. "Das war nett, hat aber die Situation für mich nicht besser gemacht. Es war sehr, sehr peinlich und entwürdigend." So sehr habe sie die Situation verletzt, dass sie nun auf eine weitere Untersuchung verzichten und sich direkt auf den Operationstisch legen will. "Dann erfahre ich eben nach dem Eingriff, was da in mir wächst und was man tun kann", sagt sie. Auch wenn sie glaubt, dass es besser wäre, wenn der Operateur schon vorher wisse, was ihn erwartet.

"Es gibt offene Kernspingeräte in Marburg, Gießen und Kassel", weiß Dr. Mariß und rät zu einer Untersuchung dort. In Bad Zwesten und Reinhardshausen werde man in nächster Zeit keine größeren Magnetresonanztomographen anschaffen. "Sie kosten etwa 600.000 Euro mehr, unter anderem, weil sie einen stärkeren Magneten benötigen. Unsere Wartezeiten betragen schon jetzt drei Monate", erklärt Mariß.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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