Dr. Volker Knöppel entdeckt wertvolle Schatulle aus Naumburg im Deutschen Historischen Museum Berlin

Überraschung hinter Panzerglas

Dr. Volker Knöppel

Naumburg. Ein kleines Kästchen mit großer Wirkung: Wie elektrisiert habe er vor der Panzerglasscheibe im Berliner Deutschen Historischen Museum gestanden, erzählt Dr. Volker Knöppel, und den Begleittext zu dem Ausstellungsstück gelesen. Aus seiner Heimatstadt Naumburg stamme das kostbare Exponat, erfuhr das Vorstandsmitglied des Naumburger Geschichtsvereins.

Aus beruflichen Gründen hielt sich Dr. Volker Knöppel in Berlin auf, eine Pause nutzte der Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zu einem Besuch des Deutschen Historischen Museums. Dort lockte die Ausstellung Burg und Herrschaft den Kenner der Weidelsburg und der Naumburg, die der Stadt an der kleinen Elbe den Namen gab.

Da stand sie dann, die kleine Schatulle aus Buchenholz mit Bein- und Eisenbeschlag. „Ich fand das so klasse, sie dort zu finden, ich war gerührt“, sagte Dr. Knöppel. Aus der „katholischen Stadtkirche St. Crescens in Naumburg (Hessen)“ stamme das Kästchen, war im Begleittext zu erfahren, aufbewahrt - weil so wertvoll - im Fritzlarer Dommuseum. Von dort wurde sie an die Spree ausgeliehen.

Im ersten Band der Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel aus dem Jahrt 1937 fand Dr. Knöppel nach seiner Rückkehr aus Berlin die Schatulle gelistet: Von einen „Reliquienkasten aus Elfenbein“ ist dort die Rede, exakt beschrieben nach Größe, Form und Oberfläche: „Verziert mit konzentrischen Kreisen, Steinen, Punkten und geometrischen Formen.“ Dem 15. Jahrundert ordnete sie der damalige Bezirkskonservator zu.

Spielkästchen

Heute ist man ein ganzes Stück weiter. Die Experten um die Ausstellungsmacher Dr. Rainer Atzbach und Dr. Sven Lüken datieren das Exponat auf die Zeit um 1200 und sprechen von einem „Spielkästchen für Tric-Trac aus Bein“. Dr. Atzbach schreibt dazu im Ausstellungskatalog: „Die frappierende Ähnlichkeit des Ringdekors mit Tric-Trac-Steinen (...) legt die ursprüngliche profane Verwendung als Behälter für dieses Spiel nahe.“ Tric-Trac ist die französische Backgammon-Variante.

Angesichts der Datierung auf die Zeit um 1200, wenige Jahre zuvor war die Naumburg gebaut worden, gibt es einen denkbaren Erstbesitzer: „Gut möglich“, sagt Dr. Knöppel, „dass Graf Poppo von Naumburg in dem Kästchen seine Spielsteine aufbewahrt hat“.

Ausstellungskatalog Burg und Herrschaft erschienen im Sandstein-Verlag, Dresden, ISBN 978-3-940319-97-5.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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