Duo-Abend im Kurhaus: Die Gewinner des Abends hießen Bartók und Grieg

Überraschung nach der Pause

Harmonisch: Den Duo-Abend im Kurhaus von Bad Zwesten gestalteten Charys Schuler Punto, Violine und Ulrike Payer, Klavier. Foto: Auerbach

Bad Zwesten. Den Duo-Abend im Kurhaus von Bad Zwesten gestalteten Charys Schuler Punto, Violine und Ulrike Payer, Klavier. Die Musikerinnen hatten Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) und Edvard Grieg (1843 bis 1907) ausgewählt.

Angekündigt war auch die Uraufführung eines Musikstückes des Amerikaners Jonathan Feist. Sie fand nicht statt. Dafür wurden „Sechs Rumänische Volkstänze“ von Béla Bartók gespielt. Das Konzert war also gekennzeichnet durch Violinsonaten aus den Epochen Klassik und Romantik sowie den Volkstänzen aus dem Jahr 1915, die der Moderne zuzuordnen sind.

Die Geigerin und die Pianistin sind erstklassige, erfahrene Künstlerinnen, die den Inhalt der Kompositionen in ganzer Tiefe ergründen und reflektieren. Als Solisten waren die Musikerinnen an diesem Abend nicht gefragt. Es kam auf ihr harmonisches, ausgewogenes Zusammenspiel im Duo an.

Wie verwandelt im zweiten Teil

So erstaunte es, dass im ersten Teil und in den lebhaften Sätzen der Sonate „B-Dur KV 454“ von Mozart und der „G-Dur Sonate“ op. 30 Nr. 3 von Beethoven, dennoch Ulrike Payer am Klavier dominierte. Den Grund dafür bot Punto, die in den aufregenden Passagen gehemmt wirkte. Zu drucklos spielte sie ihre Geige. Sie mutete dem Instrument zu wenig zu und lief Gefahr, im Klang des Klaviers unterzugehen.

In den langsamen Sätzen, den emotionalen Herzstücken der beiden Werke, ertönten Geige und Klavier dagegen gefühlvoll und mit herrlichem Gesang. Nach der Pause folgte dann die Überraschung. Charys Schuler Punto spielte gelöst und wie verwandelt. Sie zeigte Leidenschaft und Temperament. Als nunmehr gleichberechtigter Partner entfaltete sie, gemeinsam mit dem Klavier, die eigenwilligen Klang- und Rhythmus-Charaktere der kurzen Bartókschen Tanzstücke. Auch in der klugen Interpretation von Griegs „Sonate Nr. 2 G-Dur op. 13“ passte alles zusammen. Der Komponist verteilte die virtuosen Aufgaben auf beide Instrumente.

Die Musikerinnen nahmen die Herausforderungen an, spielten sich die Melodien zu und waren intuitiv und in flottem Schwung miteinander verbunden. Dazu klang in den empfindsamen Dialogen das Spiel der zarten Weisen geradezu beseelt. Eine Atmosphäre entstand, in der zuzuhören die reine Freude war.

Die Gewinner des Abends hießen Bartók und Grieg. Mit dem wehmütigen „Liebesleid“ von Fritz Kreisler (1875 bis 1962) versüßte das Duo das Konzertende und den Applaus des Publikums.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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