In Treysa wird die Nachtruhe medizinisch untersucht

Schlaflabor der Hephata-Klinik: Überwachung im Schlaf

Schwalmstadt. Ich drehe mich nach rechts, mein Kopf liegt auf einem grauen Messgerät, das an meinem Mittelfinger steckt. Das Zimmer ist stockdunkel, plötzlich geht die Tür auf, Franziska Schulze betritt den Raum. „Irgendetwas stimmt nicht“, sagt die medizinisch-technische Assistentin (MTA), die mich betreut.

Das Pulsoximeter am Finger war verrutscht, es misst Puls und Sauerstoffversorgung. Die MTA richtet das Messgerät wieder zurecht. Die Tür geht zu. Weiterschlafen. Es ist kurz vor 23 Uhr.

Laut Angaben des Robert Koch-Instituts leidet jeder vierte Deutsche unter Schlafstörungen. Weitere zehn Prozent schlafen regelmäßig schlecht. Im Schlaflabor der Hephata-Klinik gehen die Ärzte diesen Störungen auf den Grund.

Über drei kamera- und mikrofonüberwachte Zimmer verfügt die Klinik. Die Nachfrage ist groß, jährlich werden dort 1800 Nächte aufgezeichnet. Die Patienten kommen mit unterschiedlichen Beschwerden: Atemaussetzer in der Nacht, Epilepsien und Erschöpfungszuständen.

Normalerweise schlafe ich wie ein Stein, die Nachtruhe spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Trotzdem bin ich nervös, bevor die Nacht im Schlaflabor ansteht. Um 20 Uhr beginnt Franziska Schulze, mich zu verkabeln. Sie beantwortet geduldig alle meiner Fragen und beruhigt mich. Nun überwiegt die Neugier: Wie werde ich schlafen?

Am Kopf, im Gesicht und an den Beinen klebt sie Elektroden an. Sie hängt mir ein Mikrofon um. Alles, was der Patient nachts treibt, wird aufgezeichnet: Schnarchen, Hirnströme, Bewegung, Atmung, Puls.

Fertig fürs Schlaflabor: MTA Franziska Schulze misst die richtige Position am Kopf aus, um die Elektroden zu platzieren.

Seit 20 Jahren arbeitet Franziska Schulze im Hephata-Schlaflabor. „Man misst dem Schlaf schon mehr Bedeutung zu, wenn man beruflich damit zu tun hat“, sagt die MTA. Sie beobachtet die Schlafenden die ganze Nacht über eine Kamera im Zimmer, überwacht ihre Körperfunktionen wie Blutdruck und Sauerstoffsättigung.

Kamera zeichnet alles auf

Viele Geschichten kann Franziska Schulze über Probleme erzählen, deretwegen Menschen in der Klinik untersucht werden: Von Schlafwandlern, die sich nachts Bratkartoffeln zubereiten. Oder von besorgten Eltern, die ihre übermüdeten Kinder untersuchen lassen und heraus kommt, dass die Jugendlichen nächtelang Computer spielen.

Weit vor der Geisterstunde lege ich mich rundherum verkabelt in das Krankenhausbett. Von der Decke ist die Kamera auf mich gerichtet. Ich versuche einzuschlafen, zu Hause klappt das immer sehr schnell, im Schlaflabor wollen die Träume nach einer gefühlten Ewigkeit nicht kommen.

Ich wache auf. Ein kurzer Schreck: Wo bin ich? Das rote Licht der Kamera dient als Orientierungspunkt. Der Lichtschalter liegt neben der Tür, ich möchte nicht aufstehen, weil ich Angst habe, eines meiner vielen Kabel abzureißen. Also drehe ich mich auf die andere Seite.

Noch mehrmals wache ich auf. Die Nacht zieht sich wie Kaugummi. Ich weiß nie, wie ich am besten liegen soll, immer klemmt irgendwo ein Kabel. Gedanken machen sich breit. Ich habe das Gefühl, kein Auge zuzubekommen.

Es ist 5.30 Uhr. Die Tür geht auf und Franziska Schulze sagt: „Wir machen jetzt Schluss.“ Die Kabel und Elektroden kommen ab, die Nacht ist vorbei. Als ich ihr erzähle, wie unruhig meine Schlaf sich anfühlte, sagte sie: „Sie haben aber tief geschlafen.“

Zuhause bin ich trotzdem nochmal ins Bett.

Von Claudia Schittelkopp

Bilder des Selbstversuchs

Selbstversuch: HNA-Redakteurin Claudia Schittelcopp im Schlaflabor

Mehr lesen Sie in unserer gedruckten Ausgabe

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Rose

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare