45. Frühstückstreffen für Frauen: 170 Besucherinnen bei Referentin Christin Brückel

Üble Nachrede hat Folgen

Hast du schon gehört... vom Umgang mit Klatsch und Tratsch: Darüber sprach Christin Brückel (44) aus Lensahn in Holstein am Samstag in der Ziegenhainer Kulturhalle. 170 Frauen aus der Schwalm lauschten der Mutter dreier Kinder und Frau eines Pastors. Foto: Rose

Schwalmstadt. Die Zunge plappert viel, von dem der Kopf nichts weiß – mit diesem russischen Sprichwort drückte Christin Brückel dem 45. Frühstückstreffen für Frauen am Samstag in der Ziegenhainer Kulturhalle ihren Stempel auf. Die 44-Jährige sprach vor 170 Besucherinnen zum Thema „Hast du schon gehört... vom Umgang mit Tratsch und Klatsch“.

Dabei nahm die Mutter dreier Kinder und Frau eines Pastors kein Blatt vor den Mund. Ganz im Gegenteil: Auf einen beispielhaften Einstieg folgten unangenehme Wahrheiten. Getreu dem Motto „So ein Schwätzchen in Ehren kann uns keiner verwehren“ erzählte Brückel zunächst von eigenen Erfahrungen und machte unmissverständlich deutlich: „Wir sitzen alle in einem Boot, die eine mehr, die andere weniger.“ Doch zunächst räumte die Referentin mit Mythen und Märchen auf. Tratschen sei weder alters- noch geschlechtspezifisch. Dennoch: „65 Prozent aller Konversation ist Klatsch“, zitierte sie eine Studie. Dabei neige man dazu, Tratsch als Kavaliersdelikt zu bagatellisieren. „Pro Jahr beschäftigt sich das Bundeskriminalamt mit fast 100 000 Fällen von übler Nachrede, Verleumdung und Beleidigung.“

Stets die Makel im Blick

Der Duden definiert Klatsch schlicht als Tratsch oder Geschwätz. Christin Brückel definiert das Phänomen so: „Klatsch ist es dann, wenn das, was wir erzählen, nicht zur Lösung des Problems jener Person beiträgt.“ Dass dabei auch die Wahnehmung und die Interpretation von Inhalten eine Rolle spiele, machte die Referentin anhand eines Beispiels deutlich. Sie hob ein weißes Blatt Papier mit drei Punkten – die Zuschauerinnen sahen entweder zuerst das eine, oder das andere, überwiegend aber die schwarzen Punkte. „Wir sehen immer gern die Makel unserer Mitmenschen. Damit lenken wir auch ein Stück weit von unseren eigenen ab“, erläuterte Brückel. Weitere Motive seien die Suche nach Anerkennung, Sensationslust, die schlichte Unterhaltung und Minderwertigkeitsgefühle. „Wer den anderen tadelt, lobt sich selbst ein bisschen.“

Vielfach seien wir uns nicht bewusst, dass Tratsch einer Verurteilung gleichkomme: „Aber wer gibt uns eigentlich das Recht, andere zu be- und zu verurteilen?“, fragte Brückel. Denn Folgen haben die Worte allemal: Und zwar sowohl für den Hörer als auch für den Redner. „Das Gehörte nimmt man zunächst als Tatsache wahr. Und diese Information – ganz gleich, ob wahr oder falsch – beeinflussen und belasten Beziehungen. Wir schaden uns seelisch, körperlich und geistig: Denn all das Gehörte muss ja auch verarbeitet werden“, erläuterte die 44-Jährige. „Üble Nachrede lässt sich nie ungeschehen machen.“

Dabei kann jeder eine Menge gegen Klatsch tun: „Überdenken sie eigene Fehler und Schwächen“, empfahl Brückel. Hilfreich sei, sich das Ziel zu setzen, keinen Tratsch zu verbreiten und dessen Annahme zu verweigern. „Denken sie an das Opfer und fühlen sie mit, beten sie und suchen sie das Gute im Anderen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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