Uhren sind seine Liebe - Hans Voigt feiert seinen 100. Geburtstag

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Seine alte Armbanduhr erinnert ihn immer an sein Leben als Uhrmachermeister: Hans Voigt feiert heute seinen 100. Geburtstag.

Zierenberg. Dass er sich nicht mehr an alles aus seinem Leben erinnert, stört Hans Voigt überhaupt nicht. „Es ist ja schließlich auch sehr viel, was man in 100 Jahren erlebt“, sagt er und lächelt zufrieden, wenn er auf seine alte Armbanduhr schaut.

Das gute Stück kommt noch ohne Batterie aus, so wie die vielen Uhren, mit denen er sich sein Leben lang beschäftigt hat. Am 13. März 1914 geboren, war bereits während der Schulzeit klar, dass er die Familientradition fortführen und eine Ausbildung zum Uhrmachermeister anstreben würde. Schon sein Großvater hatte in Kassel ein Uhrmachergeschäft geführt, das Vater Heinrich übernahm.

Die Ausbildung begann Hans Voigt mit 14 Jahren zunächst in Biedenkopf, bevor er an die renommierte Uhrmacherschule im sächsischen Glashütte wechselte. „Das war eine besonders schöne Zeit, denn hier habe ich meine spätere Frau Hedwig kennengelernt“, erinnert er sich. Doch hier liegt auch der Beginn einer der dunkelsten Zeiten seines Lebens. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen, der ihn mit der Panzerabwehr unter anderem nach Afrika führte. Nach seiner Rückkehr aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zog er mit seiner Frau zurück ins heimische Kassel, wo er das väterliche Geschäft weiterführte. Fischgasse, Töpfenmarkt, Treppenstraße - die verschiedenen Filialen hat er noch heute vor Augen.

Wenn er sich nicht um die Uhren seiner Kunden oder die Ausbildung des Nachwuchs kümmerte, ging er mit einem langjährigen Freund und Kollegen gern auf Reisen quer durch Deutschland, gemeinsam mit seiner Frau erwanderte er die Region und lebte eine ganz besondere Leidenschaft: die Jagd.

„Ich war immer viel an der frischen Luft“, sagt er und verrät ein weiteres Rezept für ein langes Leben: „Nie über das Maß leben, nicht ständig betrunken sein, aber auch auf keinen Fall auf einen guten Kräuterschnaps verzichten.“ Den will er sich auch heute genehmigen, wenn er im Zierenberger Altenheim am Falkenweg seinen 100. Geburtstag feiert, in dem er seit gut einem Jahr zuhause ist.

Auch wenn er keine Familie mehr hat, seine Frau ist 1998 verstorben und Kinder hat er keine, wird er nicht allein sein. „Ich habe hier viele nette und heitere Menschen um mich herum, das ist heute das Wichtigste für mich.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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