Umbau ist „teurer Spaß“

Bürgermeister verteidigt Verkauf des ehemaligen Landratsamts

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Noch Baustelle, in einem Jahr Sitz der Arbeitsagentur: Das frühere Landratsamt in Homberg am Busbahnhof wird umgebaut und saniert. Die Stadt hatte es an den örtlichen Stromversorger KBG für einen Euro verkauft. Das sorgte für Diskussionen.

Homberg. In die Debatte zum Verkauf des ehemaligen Landratsamtes an die Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft (KBG) hat sich jetzt Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz eingeschaltet.

Die KBG lässt das ehemalige Landratsamt umbauen. Anschließend wird die Agentur für Arbeit dort, in direkter Nähe zum Busbahnhof und zur Innenstadt, einziehen. Die will ab Januar 2016 nach eigenen Angaben mit 36 Mitarbeitern in Homberg arbeiten. Das bedeutet, dass das elfköpfige Team aus Fritzlar nach Homberg wechselt.

Würde es bei solchen Projekten ausschließlich um die Wirtschaftlichkeit gehen, dann hätte er einen Vorschlag für die ehemalige Engelapotheke, sagte Ritz: „Wir richten dort über drei Etagen eine Spielhalle ein. Das wäre eine super Einnahmequelle. Dann erzielen wir den wirtschaftlichen Maximalwert“, sagte er provokativ.

Doch würde das am öffentlichen Interesse vorbeigehen. Anders als die Idee, in der ehemaligen Apotheke am Marktplatz zum Beispiel ein Haus der Reformation einzurichten und dort zudem Vereinen, die sich mit Geschichte beschäftigen, Raum zu bieten.

Öffentliches Interesse

Man könne nicht so tun, als sei der Verkauf des alten Landratsamtes ein Geschäftsmodell. „Wir verdienen einen Euro“, sagte Ritz. Das sei rein rechnerisch kein sensationelles Geschäft für die Stadt, das sei klar. Im Mittelpunkt stehe aber das öffentliche Interesse. Und: Natürlich sei das Haus nicht nur einen Euro wert. Doch habe das Gebäude auf dem Immobilienmarkt eben auch keinen hohen Wert. Es sei aber nicht so, dass man das Grundstück verschenke. „Das ist Quatsch“, sagte Ritz.

Ritz betonte, das man vor dem Verkauf des ehemaligen Landratsamtes an die KBG im Parlament und in den Ausschüssen zwar unter Zeitdruck, aber eben doch eine konstruktive Diskussion geführt habe. Und: Dem Verkauf des Hauses für einen Euro sei einstimmig, bei einer Enthaltung, zugestimmt worden.

Nun werde durch den Investor, die KBG, das denkmalgeschützte Haus in eine, den Anforderungen der Arbeitsagentur entsprechende, Bürofläche umgebaut. „Das ist ein teurer Spaß“, sagte Ritz. Laut KBG sollen in Umbau und Sanierung 2,4 Mio. Euro fließen.

Bewerber in der Pflicht

Es sei ein transparenter Prozess gewesen, sagte Ritz: Unterlagen, aus denen hervorging, welche Anforderungen die Arbeitsagentur stellte, seien vor dem Diskussionsprozess um den Verkauf im Bauamt einsehbar gewesen. „Es ist ein Aktenordner voll mit Zusicherungen, die den Bewerber in die Pflicht nehmen“, betonte der Bürgermeister. Er gab zu bedenken, dass die KBG womöglich ihr Angebot nicht abgegeben hätte, wäre diese - vorwiegend in Onlineforen angefachte - Diskussion im Vorfeld geführt worden. „Und das könnte ich ihr nicht mal übel nehmen“, schloss Ritz.

Quelle: HNA

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