Es geht nicht weiter

Umbaupläne für Bahnhöfe Treysa und Borken: Weiter Zwist um Bahnsteighöhe

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Ausbauhöhe als Zankapfel: Hier in Treysa soll das Niveau 76 Zentimeter betragen, ebenso wie in Kirchhain. Im neuen Bahnhof von Marburg sowie in Stadtallendorf sind es 55 Zentimeter. 

Kirchhain/Treysa. Der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs in Kirchhain ist neben der Sanierung und Umgestaltung des Freibads das derzeit wichtigste Projekt der Nachbarn im Kreis Marburg-Biedenkopf.

Das verbindet sie ganz direkt mit den Zielen und Sorgen in Schwalmstadt.

Doch während das seit drei Jahren baurechtlich genehmigte Vorhaben in Treysa faktisch auf Eis liegt, sind die Kirchhainer optimistisch, dass der Umbau ihres Bahnhofs starten wird, wenn auch erst 2020.

Das ergab diese Woche eine Bürgerversammlung mit rund 100 Zuhörern, dabei waren Konstantin Nied und Benedikt Kleinicke von der DB Station&Service. Die Planung stehe kurz vor ihrem Abschluss, die Sperrpausen für den Zugverkehr auf der Hauptstrecke seien beantragt, erklärten sie.

Interessant für die Schwalmstädter und Borkener, die derzeit scheinbar auf dem Abstellgleis stehen: Der Ausbau in Kirchhain entspricht der neuen Höhe 76 Zentimeter über dem Gleis. Dieses Ausbaumaß stieß allerdings in der Versammlung in Kirchhain bei einer Reihe von Zuhörern auf Unverständnis, Tenor: Die in Kirchhain haltenden Nahverkehrszüge sind auf eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern für einen barrierefreien Zugang ausgelegt.

Das genau ist der aktuelle Streitpunkt zwischen Stadt, Landkreis und Verkehrsministerium sowie dem NVV (Nordhesssicher Verkehrsverbund) gegenüber der Deutschen Bahn. Niemand kann derzeit nachvollziehen, warum Berlin die vorliegenden und genehmigte, für die Regionalzüge passende 55-Zentimeter-Planung für die Bahnhöfe in Treysa und Borken kassieren und eine 76er Höhe diktieren will.

Auch der in Kirchhain zuständige Auftraggeber RMV (Rhein-Main-Verkehrsverbund) ist mit den für Kirchhain geplanten 76 Zentimetern nicht einverstanden, wie Benedikt Kleinicke (DB Station&Service) einräumte. Sein Haus sei aber gehalten, auf den Hauptstrecken Bahnsteige mit 76 Zentimetern Höhe zu bauen –zur Harmonisierung des europäischen Fernstreckennetzes. Kleinicke berichtete von jeweils drei unterschiedlichen Bahnsteighöhen in Gießen und in Stadtallendorf.

Die neuen Bahnsteige in Marburg sind durchgängig nur 55 Zentimeter hoch, obwohl dort Fernverkehrszüge halten, die Kirchhain nur passieren. 55 Zentimeter beträgt die Höhe auch in Stadtallendorf. Doch die Bahn baue für 100 Jahre, unterstrich der Bahnvertreter. So scheint denn der letztlich zu hohe Ausbau in Kirchhain die einzige Möglichkeit, auch wenn der Behindertenbeirat Marburg-Biedenkopf sich ebenfalls klar dagegen ausspricht.

Hintergrund: Letzte Hoffnung Hybridlösung

Wie es unterdessen in Treysa und Borken weitergehen soll, steht in den Sternen: Trotz Resolutionen und Appellen von allen Ebenen bleibt die DB Station&Service hart. So erhielt die Stadt Schwalmstadt vor rund zwei Wochen die Information aus Berlin, dass „die vorgesehen Regelbahnsteighöhe 76 Zentimeter über Schienenoberkante bedauerlicherweise die erforderliche Umplanung der Baumaßnahme nach sich zieht“. Grund: Es gehe um die langfristige vollständige Barrierefreiheit. Die Station & Service schiebt nun gar dem Land den Schwarzen Peter zu: Es habe Ende November die Zustimmung zur Umplanung auf 76 Zentimeter verweigert. Der letzte Hoffnungsschimmer ist nun, dass die vorgeschlagene Hybridlösung zum Zug kommen könnte, nämlich die Bahnsteige in Treysa mit unterschiedlichen Höhen 55 und 76 Zentimeter auszustatten. Dieser Vorschlag soll nun geprüft werden.

Quelle: HNA

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