Umfrage zur Verwaltungszusammenlegung von Gemeinden

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Arbeiten bereits eng zusammen: Die Bürgermeister Werner Lange (links, Niedenstein) und Frank Börner (Gudensberg). Fotos: Archiv

Schwalm-Eder. Die Gemeinden Allendorf-Eder und Bromskirchen im benachbarten Landkreis Waldeck-Frankenberg werden zum 1. Januar 2015 ihre kompletten Verwaltungsaufgaben in einer neu zu gründenden Verwaltungsgemeinschaft (VG) zusammenführen.

Sie sind die ersten Kommunen in Hessen, die diesen Schritt gehen und erhalten finanzielle Förderung vom Land. Die Pläne stoßen auch im Schwalm-Eder-Kreis auf Interesse. Ähnliche Pläne gibt es derzeit im Landkreis aber nicht, wie eine Umfrage bei einigen Bürgermeistern ergab.

Alle Verwaltungschefs sehen aber die Notwendigkeit stärker zusammenzuarbeiten. Niedenstein und Gudensberg können diesbezüglich wohl als gute Beispiele gelten. In vielen Verwaltungsbereichen machen sie bereits gemeinsame Sache oder haben sich auch andere Partner gesucht.

Niedenstein betreibt einen gemeinsamen Bauhof mit Bad Emstal, Gudensberg und Niedenstein wiederum arbeiten bei der Personalverwaltung zusammen, und beide Städte gehören einem Ordnungsbehördenbezirk an, der von der Gemeinde Habichtswald geführt wird.

Jürgen Kaufmann

Die Verwaltungsgemeinschaft von Bromskirchen und Allendorf/Eder findet Niedenstein Bürgermeister Werner Lange sehr interessant, „schon deshalb, weil es sehr innovativ ist“, lautet sein spontaner Kommentar. Aber man könne auch nicht einfach alle Mitarbeiter ins Gudensberger Rathaus schicken. Für Bereiche, die stark frequentiert sind, sollte es eigenständige Anlaufstellen geben, meint Lange. Eine engere Zusammenarbeit mit Gudensberg sei aber denkbar, schon deshalb, weil die Chemie stimmt.

Das bestätigt auch sein Gudensberger Kollege Frank Börner. Diese Entwicklung werde weiter gehen („sie rechnet sich in Euro und Cent“, Börner). Eine umfassende Verwaltungsgemeinschaft wie jetzt in Bromskirchen und Allendorf/Eder sei aber eher etwas für kleinere Kommunen.

Langfristig werden vor allem die kleinen Gemeinden nicht umhin kommen, Verwaltungseinheiten zu bilden. Davon ist der Neuentaler Bürgermeister Kai Knöpper überzeugt. Ob das letztlich sogar zu Fusionen führen werde, sei schwer zu sagen. Die Bevölkerungsentwicklung werde die Entwicklung beschleunigen. Knöpper: „Wir stehen am Scheideweg. Immer weniger Menschen müssen immer mehr bezahlen“. Viel hänge davon ab, wie die Städte und Gemeinden künftig beim kommunalen Finanzausgleich ausgestattet werden.

In der Landespolitik werde bereits darüber spekuliert, ob Gemeinden unter 8000 Einwohnern noch lebensfähig sind. Der Neuentaler Bürgermeister sieht aber auch die Hindernisse auf dem Weg zu größeren Einheiten.

Dass Bürgermeister ihre Pfründe verlieren könnten, sei nur ein Aspekt, aber auch die Parlamente müssten Kompetenzen abgeben, und letztlich müssten die Einwohner überzeugt werden. „Wenn man den Menschen aber vernünftige Angebote macht, kann man sie überzeugen“, sagt Knöpper.

Eine interkommunale Zusammenarbeit im Verwaltungsbereich lehnt Schwarzenborns Bürgermeister Jürgen Kaufmann nicht grundsätzlich ab. In Teilen sei das durchaus möglich. Allerdings dürfte davon nicht der Bürgerservice vor Ort betroffen sein.

Kai Knöpper

Auch müsste all das, was die kommunale Selbstverwaltung betreffe, - etwa die Haushaltshoheit - erhalten bleiben. Mittel- bis langfristig werde eine Zusammenarbeit unumgänglich sein, da angesichts der demografischen Veränderung nicht mehr genügend Fachpersonal gefunden wird. (hro/syg)

"Kosten und Kräfte sparen"

Körles Bürgermeister Mario Gerhold befürwortet die interkommunale Zusammenarbeit: „Wo immer sie Sinn macht, docken wir natürlich an unseren Nachbargemeinden an - das spart Kosten und Kräfte.“

Dennoch müsse man das Problem der leeren Gemeindekassen an den Wurzeln packen: Die Kommunen würden mit ungezählten Aufgaben überschüttet, durch die sie tief in die roten Zahlen gerieten. „Es ist ein Irrglaube, dass dass man Verwaltungen nur zusammenstecken muss, damit dann alles gut wird“, sagt Gerhold. „Die finanziellen Probleme, die wir in Körle haben, rühren von den exorbitanten Verlusten aus dem Finanzausgleich. Da hilft uns dann eine Zusammenarbeit auch nicht wirklich weiter.“

Eine Verwaltungsgemeinschaft komme für Melsungen zurzeit nicht in Frage, sagt Rathauschef Markus Boucsein: „Ich kann mir eine Gesamtverwaltung nur schwer vorstellen, das ist für uns kein erstrebenswertes Ziel.“

Natürlich sei die Interkommunale Zusammenarbeit von großer Bedeutung, doch seien auch dabei Grenzen gesetzt, vor allem dann, wenn man den Einwohnern längere Wege zumuten müsse. „Auch wenn es für manche kleine arme Kommune verlockend ist, sich zu entlasten und zu verschlanken: Ich kann durchaus alle Städte und Gemeinden verstehen, die ihre Eigenständigkeit behalten wollen“, sagt Boucsein. (bra)

Quelle: HNA

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