Altstadt soll vom Verkehr entlastet werden

Umgehungsstraße in Felsberg ist fertig

Freuen sich über die Fertigstellung der Umgehung: Von links Christina Röntgen, Regionalbevollmächtigte von Hessen Mobil, Planerin Regina Junge, Bürgermeister Volker Steinmetz und Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach mit Mitarbeitern von Hessen Mobil und Zuschauern.
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Freuen sich über die Fertigstellung der Umgehung: Von links Christina Röntgen, Regionalbevollmächtigte von Hessen Mobil, Planerin Regina Junge, Bürgermeister Volker Steinmetz und Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach mit Mitarbeitern von Hessen Mobil und Zuschauern.

Lange ist über den Bau der Umgehungsstraße in Felsberg gestritten worden. Freitagnachmittag wurde die Straße nun für den Verkehr freigegeben.

Felsberg – Dafür haben die Felsberger jahrzehntelang gekämpft: Seit Freitagnachmittag rollt der Verkehr über die neue Umgehungsstraße. Sie ist 2,43 Kilometer lang und kostet 5,5 Millionen Euro. Die Stadt Felsberg hat das Projekt des Landes Hessen vorfinanziert. Das Land Hessen zahlt die Summe in zehn Jahresraten zurück.

Die Umgehung im Zuge der Landesstraße 3220 soll die bisherige Ortsdurchfahrt mit ihrer historischen Fachwerkbebauung vom Straßenverkehr entlasten.

3,44 Hektar Fläche wurden für den Bau der Umgehung verbraucht. Im Schnitt fahren auf der Landesstraße täglich bis zu 7600 Fahrzeuge durch Felsberg, davon durchschnittlich 360 Lastwagen. Mit den Bauarbeiten für die Umgehungsstraße war am 29. August 2019 begonnen worden.

„Weniger Autoverkehr bedeuten weniger Lärm und Abgase, dafür mehr Lebensqualität und mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer und für Felsberg die Chance, ein völlig neues Lebensgefühl in der Ortsmitte zu entwickeln.“ Das erklärte der Hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir in einer Pressemitteilung.

Sie soll die Felsberger Altstadt vom Durchgangsverkehr entlasten: die Umgehungsstraße.

Bei einem Treffen an der Kreuzung Umgehung/Ederweg wurden gestern Freude und Zufriedenheit deutlich bei Christina Röntgen, der Regionalen Bevollmächtigten von Hessen Mobil, Planerin Regina Junge, Bürgermeister Volker Steinmetz und Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach. „Sie können sich alle freuen, dass in der Altstadt nun Ruhe einkehrt“, sagte Christina Röntgen.

Die Stadt ist seit gestern Eigentümerin der ehemaligen Landesstraße in der Innenstadt, die durch die Umgehung entlastet werden soll. Dafür erhält die Stadt vom Land 435.000 Euro – mehr als ursprünglich geplant war. Wie das Geld investiert werden soll für die Innenstadt-Gestaltung, darüber wird schon länger diskutiert.

Auf der gesamten Straße gilt Tempo 70. Bürgermeister Steinmetz bat die Behörden, das Tempo an der Kreuzung Ederweg im Interesse der vielen Schüler zu reduzieren, die dort die Umgehung kreuzen.

Stadtverordnetenvorsteher Umbach sagte, er habe nie geglaubt, dass er noch den Tag der Einweihung erleben würde.

Die Umgehungsstraße ist seit rund 60 Jahren ein Dauerthema und Aufreger in Felsberg.

Vorgeschichte

Schon zu Beginn der 1960er-Jahre wurde in Felsberg über eine Umgehung diskutiert. Der Kiesabbau in Altenburg und Lohre sowie der Steinbruch in Rhünda sorgten in den Aufbaujahren nach dem Krieg für immer mehr Lastwagenverkehr in Felsberg. Vorgesehen, aber nie konkret geplant, war eine „Kleine Umgehung“, die am mittlerweile abgerissenen Amtsgericht beginnen und am Ehrenmal für die Kriegsopfer auf den Steinweg münden sollte. Doch daraus wurde nichts.

Kritik und Ärger

Über die jetzige Trassenführung wird ebenfalls schon lange und kontrovers diskutiert. Kritik gab es etwa von einem Felsberger Landwirt: Er beklagte, dass sein Feld von der Umgehungsstraße diagonal durchschnitten werde. Andere Kritiker fürchteten, dass die Umgehung die Verkehrsbelastung für die Anwohner von Steinweg und Teichweg erhöhen werde. Vorschläge für alternative Trassenverläufe wurden diskutiert, aber verworfen. 1999 erhielt die Umgehung Felsberg die Priorität zur Aufnahme der Planung durch das Amt für Straßen- und Verkehrswesen – heute Hessen Mobil. Das Baurecht für die neue Straße schuf die Stadt Felsberg im Jahr 2015. Gebaut werden konnte aber erst, nachdem ein Felsberger eine Klage zurückgezogen hatte. Für Ärger sorgte auch, dass die Stadt den Bau der Umgehungsstraße vorfinanzieren musste – ursprünglich hatte das Land in Aussicht gestellt, die Kosten von vornherein zu tragen.

Überschwemmungsgebiet

Die Trasse liegt überwiegend in einem Überschwemmungsgebiet der Eder. Als Ersatz entstanden Retentionsräume – neue Teiche nahe der Schlämmteiche in Lohre und der Kläranlage Felsberg. Die Fassungsvermögen: 17 690 und 5980 Kubikmeter.

Ausgrabungen

Schon vor Baubeginn wurde das Sichten und Sichern möglicher archäologischer Funde im Bauvertrag zwischen Hessen Mobil und der Baufirma festgelegt. „Im Bereich des Lohrer Kreisels wurden dann tatsächlich das Streifenfundament eines Hauses und einzelne Keramikstücke aus dem frühen Mittelalter entdeckt”, erläutert Hessen Mobil-Sprecher Marco Lingemann. Im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde die Fundstelle archäologisch dokumentiert. Mitte Oktober 2019 wurden die Fundamente gesichert – sie liegen heute unter der Fahrbahn.

Schulweg

Viele Schüler der Drei-Burgen-Schule müssen an der Kreuzung mit dem Ederweg die Umgehungsstraße überqueren. Eine Mittelinsel soll Fußgängern und Radfahrern das Überqueren erleichtern. Um das Überqueren der Umgehung für Schüler noch sicherer zu machen, wurde der motorisierte Verkehr entlang des Ederweges um etwa 15 Meter versetzt und vom Fuß- und Radverkehr getrennt. „Damit ist gewährleistet, dass kein landwirtschaftliches Fahrzeug die Sicht versperrt”, sagt Lingemann. (Manfred Schaake und Judith Féaux de Lacroix)

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