Ein Besuch im verwilderten Wald mit Umweltministerin Priska Hinz

Der Natur Raum geben: Dieses Ziel verfolgen der Leiter des Forstamtes Wolfhagen, Uwe Zindel und Hessens Umweltministerin Priska Hinz. Der Anteil der unbewirtschafteten Kernflächen soll hessenweit von derzeit 6,2 auf acht Prozent gesteigert werden. Die Ministerin besuchte den Habichtswald und überzeugte sich von der Biodiversität in einem Hangwald am Bergpark Wilhelmshöhe. Foto: Thon

Wolfhager Land. Sie sind die Schatzkammern der Wälder. In den Kernflächen ruht die Waldwirtschaft: Es werden keine Bäume gefällt und die Natur darf sich ungehindert entfalten. Nun soll der Anteil dieser artenreichen Kernflächen noch gesteigert werden, von derzeit 6,2 Prozent in Hessen auf acht Prozent.

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) begutachtete am Mittwochnachmittag im Habichtswald eine Fläche nahe dem Herkules. Es ist eines der Filetstücke im Zuständigkeitsgebiet des Forstamtes Wolfhagen.

Beeindruckt zeigte sich die Ministerin von der Naturnähe, in die Besucher des Bergparkes mit wenigen Schritten eintauchen können. In dem 9,3 Hektar großen Areal erleben Erholungssuchende einen Wald mit einigen hundert Jahre alten Buchen, Eschen und Ahornen. In ihm ist aber auch Platz für nachwachsende, junge Baumgenerationen. Der Anteil an Totholz ist hoch - der Vorrat an zerfallender Stamm-Biomasse wird auf über 100 Festmeter pro Hektar geschätzt. In die Natur greifen die Forstwirte nur ein, wenn Äste oder ganze Bäume auf Wege zu stürzen drohen. Dann werden die Bäume gefällt und an Ort und Stelle liegen gelassen - als Nahrung und Nistplatz für andere Lebewesen.

Forstamtsleiter Uwe Zindel präsentierte Priska Hinz alte Buchen, deren zerklüftetes und teilweise absterbendes Holz, seltenen Waldbewohnern Lebensraum bieten. Für den Bestand ist das Vorkommen an Stammhöhlen und vertikalen Spalten in alten Stämmen typisch.

Konzept bis Ende 2014 

Bis zum Jahresende sollen sich die hessischen Forstämter Gedanken machen, an welchen Stellen die Erweiterung der Kernflächen sinnvoll erscheint. Nach einer Diskussion mit den Vereinen und Naturschutzverbänden hofft Hinz, im kommenden Jahr eine Auswahl an weiteren Bereichen vor sich liegen zu haben, in denen die Waldbewirtschaftung eingestellt wird.

Während die Ministerin eher große, zusammenhängende Areale anstrebt, betonten Zindel und der stellvertretende Leiter von Hessen-Forst, Detlef Stys, das auch kleinere Flächen bei der Steigerung der Artenvielfalt eine wichtige Rolle spielten. Allein im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Wolfhagen sind es 405 Hektar Staatswald, die nicht bewirtschaftet werden. Das entspricht einem Anteil von sieben Prozent an der gesamten Holzbodenfläche von 5742 Hektar.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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