Gutachter im Fall Sabrina H.: Tat war Reaktion auf akute Belastung

Felsberg/Kassel. Gutachter hatten am Freitag das Wort im Mordprozesses gegen Sabrina H. (26) aus Bad Wildungen. Sie muss sich vor dem Landgericht Kassel wegen zweifachen Mordversuchs verantworten.

Laut Anklage soll sie versucht haben, am 12. März. 2009 in Felsberg ihre damals achtjährige Tochter Laura und ihren fünf Jahre alten Sohn Niklas im Auto mit Abgasen zu töten. Die Tochter konnte sich befreien und alarmierte Anwohner, die die Polizei riefen. Die Polizei fand Mutter und Sohn im Auto. Beide waren bewusstlos und überlebten.

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Der Göttinger Psychiater und Psychologe Dr. Georg Stolpmann unterteilte die Tat in zwei Abschnitte. Als Sabrina H. sich entschloss, aus dem Leben zu scheiden und die Kinder mitnahm, habe sie unter einer „akuten Belastungsreaktion“ gelitten. Der Ehemann hatte sich von ihr getrennt, der Hund war einen Tag vorher gestorben. Sie wollte aus dem Leben scheiden – die Kinder sollten bis zum letzten Atemzug bei ihr sein, aber überleben. Der Plan war Ausdruck einer Depression – Sabrina H. konnte, so der Psychiater, ihr Tun möglicherweise nicht voll steuern. Sie war vielleicht für ihr Handeln nicht verantwortlich.

Als die Abgase ins Auto strömten, konnte sich Laura befreien. Sie sagte, dass sie noch versucht habe, ihren Bruder aus dem Auto zu ziehen, was aber nicht gelang. Die Türen hätten nach dem Rettungsversuch offen gestanden. Als die Polizei eintraf, waren sie aber verschlossen. Mutter und Sohn lagen bewußtlos im Wagen. Wer anders als Sabrina H. hätte die Türen verschließen können? Die Vermutung: Als Laura flüchtete, wurde Sabrina H. wach. Sie schloss die Türen. Für diese Handlung, so Stolpmann, lag aber keine Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit vor.

Der Göttinger Rechtsmediziner Dr. Harald Kijewski hatte zuvor erklärt, dass Mutter und Sohn im Auto gestorben wären, wenn Laura nicht Hilfe geholt hätte. Sabrina H. als auch die Kinder hätten eine Konzentration von 30 bis 40 Prozent Kohlenmonoxid im Blut gehabt. Zwischen 35 und 70 Prozent würden Menschen sterben.

Wegen der Vergiftung mit Kohlenmonoxid gab Richter Volker Mütze den Hinweis, dass es sich bei der Tat auch um eine gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit „einer das Leben gefährdenden Handlung“ handeln könnte.

Quelle: HNA

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