Gleisbauarbeiten zwischen Körle und Röhrenfurth belasten Anwohner

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Nachbarschaft: Die Arbeiten finden in unmittelbarer Nähe zu vielen Anwohnern statt. Im Bild erneuern Arbeiter Gleise direkt am Melsunger Stadtteil Röhrenfurth.

Melsungen. Die Röhrenfurther brauchen dieser lauen Ferientag Nerven aus Stahl: Rund um die Uhr wird an der Bahnstrecke am Ort gearbeitet. Immer wieder durchbricht die Rottenwarnanlage mit ihrem intensiven Ton die Schwüle und die Nacht und kündigt einen vorbeifahrenden Zug an.

Das automatisches Warnsystem schützt so die Bauarbeiter, die die Gleise und das Gleisbett erneuern.

Unterstützt werden sie dabei von einem kolossalen Ungetüm. Katharina die Große ist eine Gleisbaumaschine. Und was für eine: sie ist 200 Meter lang, 800 Tonnen schwer, besitzt 2200 Meter lange Förderbänder und tankt bis zu 27.000 Liter Treibstoff. Der Gleisbauzug gehört der Firma Spitzke mit Sitz in Großbeeren bei Berlin, die 35 Millionen Euro in die fahrbare Werkstatt investierte.

Sie frisst Schotter

Katharina die Große frisst den Schotter, recycelt ihn, baut ihn wieder ein und verdichtet und stabilisiert ihn letzlich. Derzeit pendelt sie entlang der Bundesstraße 83 zwischen Körle und Röhrenfurth. Zu übersehen ist die imposante gelbe Maschine dabei nicht.

Die Röhrenfurther sind dabei leidgeprüft: „Die Bahnstrecke ist für uns sowieso eine unendliche Baustelle. Der Bahnübergang ist gefühlt einmal im Jahr gesperrt“, sagt Michael Wagner, Röhrenfurths Ortsvorsteher. Auch derzeit ist der Bahnübergang im Ort unpassierbar. Jedenfalls für Fahrzeuge. Keine einfache Situation sei dies für die Einzelhändler wie die Fleischerei und den Getränkemarkt.

Ungetüm: Katharina die Große ist 200 Meter lang und wiegt 800 Tonnen. Seit 2007 ist sie im Einsatz. Es gibt ein Gegenstück, das Heinrich der Starke heißt.

Noch härter hat es die Anwohner direkt an der Gleisanlage am Ortsrand getroffen: „Die Nachtarbeiten und die automatische Warnanlagen ist für die Anwohner eine heftige Belastung“, sagt Wagner. Die Bauarbeiten gingen rund um die Uhr. „Ich wohne eine Ecke weiter weg und höre die Warnanlage auch noch.“ Der Ton sei sehr durchdringend und nachts höre man ihn noch intensiver. Hinzukämen die gigantischen Kieshaufen gegenüber der Strecke für das neue Gleisbett und der damit verbundene ständige Lkw-Verkehr, sagt Wagner. Man müsse es mit Gleichmut ertragen. Er hofft allerdings: „Wir hoffen, dass dies auf lange Zeit hin die letzte Baustelle war“, sagt er.

Tag und Nacht Lärm

Die Anwohner seien von der Bahn über die Arbeiten informiert worden. Wer wegfahren konnte, hat dies wohl getan. Noch bis Mitte August dauern die Arbeiten an der Strecke an. Der Trupp und Katharina die Große kämpfen sich weiter vor nach Schwarzenberg.

Die Arbeiten: Die Bauarbeiten betreffen die Strecke zwischen Bebra und Kassel. Dort arbeitet die DB Netz AG während der Sommerferien zum Teil unter Totalsperrung (zwischen Bebra und Beiseförth) und zum Teil in eingleisiger Sperrung (Körle-Melsungen und Körle-Guxhagen). 25 Kilometer Gleise werden erneuert dazu der Oberbau und Entwässerungsanlagen. Außerdem wurden vier Weichen ausgetauscht.

In dieser Woche arbeitet Katharina die Große im Abschnitt von Körle bis Guxhagen.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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