Ungewisse Zukunft für die Schulsozialarbeit im Schwalm-Eder-Kreis

Schwalm-Eder. Die Theodor-Heuss-Schule Homberg und das Schwalmgymnasium werden wohl im kommenden Jahr ohne einen Schulsozialarbeiter dastehen. Das bestätigte Rainer Walenzik, stellvertretender Leiter des Schulamtes in Fritzlar.

„Die Nachricht kam für uns völlig überraschend“, sagt THS-Direktor Dr. Ralf Weskamp. Am Freitag sei ihnen das Aus für die Schulsozialarbeit mitgeteilt worden. Dabei habe es bereits verbindliche Termine für Vorstellungsgespräche in dieser Woche gegeben. Die Bewerber mussten kurzfristig ausgeladen werden. Wegen Überhängen bei den Lehrerstellen sei eine Anstellung zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Die beiden Schulen hätten im übertragenen Sinn so schon kein Geld, die vorhandenen Lehrer zu bezahlen, sagt Walenzik. Es gehe nur um 3000 bis 4000 Euro je Schule und Jahr, kritisiert Weskamp. Wegen dieser Summe dürfe die Schulsozialarbeit nicht scheitern.

Man wolle helfen, habe aber rechtlich kaum Möglichkeiten erwidert Walenzik.

Auch die Übernahme der acht bestehenden Schulsozialarbeiter in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse ist noch nicht sicher, sagt Elke Junger, Geschäftsführerin des Starthilfe Ausbildungsverbunds Schwalm-Eder. Dort sind die Schulsozialarbeiter seit etwa eineinhalb Jahren angestellt. „Wir müssen eine Sicherheit dafür haben, dass die Drittel-Finanzierung gewährleistet ist“, erklärt Junger. Man habe sich eine Finanzierung der Gehälter über eine Art Kreisumlage gewünscht - ein ähnliches Modell gebe es im Landkreis Kassel. Derzeit stimmen die Kommunalparlamente jährlich über die Fortsetzung der Schulsozialarbeit ab.

Aber es gibt Hoffnung: Der Landkreis würde notfalls bei der Finanzierung einspringen, sagt Michael Schneider, Büroleiter der Kreisverwaltung. Ein entsprechender Beschluss werde vorbereitet.

Hintergrund: Finanzierung nicht gesichert

Derzeit gibt es acht Schulsozialarbeiter im Landkreis. Angestellt sind sie beim Starthilfeausbildungsverbund. Die Gehälter werden etwa zu gleichen Teilen bezahlt von den Kommunen (mit Schülern an den Schulen), den Schulen selbst (0,2 Lehrerstellen bei Genehmigung durch das Schulamt) und dem Landkreis. Zwölf neue sollten dazukommen. Es werden nur zehn: Elsa- Brändström-Schule (Homberg), Fuldatalschule (Melsungen), Burgsitzschule (Spangenberg), Carl-Bantzer-Schule (Ziegenhain), Berufliche Schulen Schwalmstadt, Fritzlar-Homberg sowie Melsungen, König-Heinrich-Schule Fritzlar, Ohetalschule Verna und Odenbergschule Gudensberg. (ddd)

Von Damai D. Dewert

 

Landkreis bietet an, notfalls einzuspringen

Für die acht Schulsozialarbeiter im Landkreis wird es wohl weiter gehen. Beschäftigt sind sie seit eineinhalb Jahren bei der Starthilfe. Dort sollten sie unbefristete Verträge erhalten. Diese standen jedoch auf der Kippe. Die Starthilfe befürchtete, auf den Kosten sitzen zu bleiben, falls eine Kommune ihren Beitrag nicht zahlen könnte. Die Schulsozialarbeit wird derzeit von den Kommunen, dem Landkreis und den Schulen finanziert. Der Landkreis hat jetzt angeboten, einzuspringen, falls ein Partner seiner Pflicht nicht nachkommen kann. Zehn weitere Schulsozialarbeiter sollten ihren Dienst an Schulen im Landkreis beginnen. „Wir sind zuversichtlich, dass dies auch gelingt“ sagt Elke Junger, Geschäftsführerin der Starthilfe. Diese neuen Schulsozialarbeiter begännen mit befristeten Arbeitsverträgen – vorerst auf zwei Jahre. Vorerst nur befristet Verträge „Wir würden uns natürlich wünschen, die Verträge mittelfristig umzuwandeln“, sagt Junger. Aber schon jetzt sei der Aufwand der Personalverwaltung enorm. Der Starthilfe Ausbildungsverbund erhält eine Pauschale je Sozialarbeiter. Der größere Vorteil liege aber darin, die Mitarbeiter in der Verwaltung halten zu können. Denn mit den deutlich reduzierten Aufträgen der Starthilfe (wir berichteten) wären wohl nicht alle Stelle zu halten gewesen, sagt Junger. Eine klare Regelung und ein kreisweites Bekenntnis zur Schulsozialarbeit fordert Karl-Adam Stiebeling, Schulleiter der Dr.-Georg-August-Zinn-Schule in Gudensberg. Seit nunmehr vier Jahre arbeite Tom Werner an der Schule und das Klima habe sich spürbar verbessert. Der Demokratisierungsprozess an der Schule sei mit den installierten Klassenräten angekurbelt worden, die Präventionsarbeit sei hervorragend, es gebe Mobbingbeauftragte in der Schülerschaft und die Konflikte seien zurückgegangen und würden zum Teil schon in der Schülerschaft beigelegt. Keine Feuerwehr „Die Schulsozialarbeit sollte aber nicht als Feuerwehr verstanden werden, akute Brandherde zu bekämpfen. Die Schulsozialarbeit soll vielmehr langfristig Mechanismen und Angebote installieren und die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern, Institutionen und Kollegium verbessern“, sagt Stiebeling. Eine langfristige Arbeit erfordere aber auch eine Sicherheit für die Sozialarbeiter. Alle an der Finanzierung beteiligten seien gefordert, eine Lösung zu finden. Einen Landkreis ohne Schulsozialarbeit wolle er sich nicht mehr vorstellen.

Quelle: HNA

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