Serienauftakt in Melsungen

Ungewöhnlichen Straßennamen auf der Spur

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HNA-Praktikantin Yasmin Höse vor dem Straßenschild "Am Bitzen".

170 Kilometer Straßen ziehen sich durch Melsungen und die Stadtteile. Es gibt kurze, lange, schmale und steile - nur eines haben alle gemeinsam: einen Namen. Wir beginnen mit "Am Bitzen".

Ein Bitzen wurde in früheren Jahrhunderten ein eingezäuntes Gelände oder Gebiet genannt. Dieses Gelände diente verschiedenen Zwecken. In Melsungen lag der Bitzen gegenüber der heutigen St. Georgskapelle in unmittelbarer Nähe zur Fuldafurt.

Diese Information stammt vom Heimatforscher Kurt Maurer. Der 73-Jährige stammt aus Röhrenfurth und arbeitete beim Katasteramt. Maurer lebte 40 Jahre in Melsungen – mittlerweile wohnt er in Stadthagen. Er war Mitglied im Geschichtsverein und Stadtführer. Sein Forschungsschwerpunkt waren frühe Wüstungen.

„Die Furt über die Fulda spielte schon Jahrhunderte vor der Stadtgründung eine große Rolle“, erklärt Maurer. Sie wurde von Kaufleuten genutzt, die auf der Salzstraße (Sälzerweg) unterwegs waren – zum Beispiel von Bad Sooden-Allendorf in Richtung der Niederlande. Diese Kaufleute nutzten den Bitzen zur sicheren Lagerung ihrer Handelsgüter. Mitunter waren die Flüsse unpassierbar. Dann machten die Kaufleute Rast. So entstanden an den Furten kleine Siedlungen mit einer Herberge, Sattlern und Stellmachern. Stellmacher waren Handwerker für Wagen und Räder. Diese Vorgängersiedlung muss im Zeitraum zwischen etwa 400 und 900 nach Christi entstanden sein, Darauf deute die Endung „ungen“ hin, erklärt Maurer.

In Melsungen gibt es 271 Straßen. Zu den längsten gehören die Kasseler Straße und der Schwarzenberger Weg mit einer Länge von mehr als einem Kilometer. Die Kasseler Straße ist dabei auch die bedeutendste Straße: sie ist Ortsdurchfahrt und zugleich zentrale Einkaufsstraße und beginnt am Marktplatz.

Die beiden steilsten Straßen sind Am Schloth und der Kutschengraben. Die schmalste Straße ist die Brunnenstraße in Adelshausen mit etwa 2,30 Meter Breite – ihr großes Pendant ist die Nürnberger Straße mit einer Breite von etwa 14 Metern (inklusive Gehweg).

Über die Straßennamen entscheidet zumeist der Magistrat. In den Stadtteilen machen die Ortsbeiräte häufig Vorschläge. In Baugebieten gibt es oft einen thematischen Schwerpunkt. Das können Vögelnamen, Dichter oder Städtenamen sein. Die Partnerstädte finden sich häufig auch mit eigenen Straßennamen wieder – zum Beispiel Evesham Allee und Dreuxallee.

Auch verdiente Personen der Stadt werden häufig mit einem Straßennamen geehrt. 

Wir stellen in loser Folge Straßen- und Gemarkungsnamen vor und erklären deren Ursprung und die Bedeutung. Alle Leser sind aufgerufen, uns ungewöhnliche Namen zu schicken, gerne auch mit einem Bild am Straßenschild.

 • Kontakt: Schicken Sie uns Vorschläge per E-Mail an melsungen@hna.de

Quelle: HNA

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