Staudenstängel und Laub bieten Käfern, Schmetterlingen und Insekten Schutz

Mut zur Unordnung im Garten

Unordnung: Im Herbst sollte der Garten nicht völlig aufgeräumt werden. Die Natur braucht Unordnuing. Foto: privat

Schwalmstadt. „Sind Sie schon fertig mit ihrem Garten?“ werden wir im Herbst oft gefragt. Nie sind wir fertig mit unserem Garten. Noch immer sind Teile des Gemüsegartens bedeckt mit Kräutern, die bei Plustemperaturen im Winter noch geerntet werden können, darunter Kerbel, Barbarakraut, Feldsalat, Pimpinelle, Schildampfer oder glatte Petersilie.

Ist im Frühjahr alles abgeerntet, haben die im Boden verbliebenen Wurzeln dafür gesorgt, dass die Erde locker bleibt, Sauerstoff in den Wurzelgängen gehalten wird, Regenwürmer Futter finden und das Erdreich nicht durch Regen und Schneeschmelze verschlämmt wird. Jetzt Brauchen wir mit dem „Sauzahn“ oder der „Biogabel“ zu lockern, Unkraut zu entfernen, Kompost aufzubringen, und können pflanzen und säen.

Beim Umgraben würde die oberste mit den für das Wachstum so wichtigen Mikroorganismen durchsetzte Bodenschicht nach unten gebracht, und dort würden sie absterben.

„Bei euch sieht’s aber aus!“ habe ich von Kindern mal gehört, „ da müsste der Papa mal mit der Heckenschere oder dem Rasenmäher kommen.“ Nicht nötig, beides besitzen wir auch, die „Unordnung“ ist gewollt. Die Stängel der meisten Stauden und Gräser bleiben im Winter stehen, denn viele Käfer-, Schmetterlings- und andere Insektenarten haben im Herbst ihre Eier hineingelegt, und die wollen wir ja erhalten. Und wo bitte sehr, sollten diese Nützlinge in einem „ordentlich umgegrabenen, gemähten, von Laub und allem anderen organischen Material befreiten Garten“ überleben? Außerdem bieten Gras- und Staudensamen vielen Vögeln wie zum BeispielGrünfinken, Dompfaffen und Buchfinken willkommene Winternahrung.

Zugegeben, eine Augenweide ist unser Garten für einen Gartenästheten im Winter nicht, wenn nicht gerade Schnee oder Rauhreif die Grashorste oder Staudensamenstände verschönt. Wer aber mit dem „grünen Auge“ schaut, erkennt die Absicht.

Ein biologisch betriebener Garten soll im Kleinen eine funktionierende Lebensgemeinschaft vo Tieren und Pflanzen sein, wo man auf Gift und Kunstdünger verzichten kann. In jedem Jahr droht durch bestimmte Witterungsverhältnisse oder andere Faktoren das Gleichgewicht nach der einen oder anderen Seite zu kippen, weil sich ein Schädling zu stark ausgebreitet hat. Wir haben aber immer wieder beobachtet, dass die Natur sich selbst hilft, wenn der Gärtner das eine stützt und dem anderen das Leben schwer macht. Man muss dem Gegenspieler Zeit lassen sich zu entwickeln. Nur mit den Nacktschnecken will uns das nicht gelingen.

In jedem Frühjahr, wenn alle abgestorbenen Pflanzenteile abgeschnitten worden sind, sieht er dann wieder hübsch aus, unser Garten.

Von Hiltrud Holland-Letz

Quelle: HNA

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