Unshäuser protestieren gegen Bau einer Biogasanlage

+
Die Maschinenhalle, die Schweineställe - und jetzt noch die Biogasanlage (entsteht rechts neben dem Baum im Hintergrund): Viele Unshäuser und speziell die, die am Ortsrand zur Schwalmaue hin wohnen (Foto), haben Angst vor den zusätzlichen Belastungen. Sie hätten sich einen alternativen Standort für die Anlage vorgestellt, weiter entfernt von der Wohnbebauung.

Unshausen. Erst kam die große Maschinenhalle, dann mehrere große Schweineställe, nun soll daneben eine Biogasanlage gebaut werden. „Jetzt reicht es uns“, sagen viele Unshäuser und haben eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, um gegen die neue Biogasanlage an dem geplanten Standort zu protestieren.

160 Unterschriften gegen die Pläne der Landwirte aus Unshausen und Niedermöllrich wurden trotz der Sommerferien im Dorf gesammelt; der Ortsbeirat Unshausen tagte dazu und beschloss, das Bürgerbegehren zu unterstützen. Und auch Waberns Bürgermeister Günter Jung äußert Kritik: „Es hätte bessere Standorte als den jetzt vorgesehenen gegeben.“

Vom Garten der Familie Ebert in der Bachstraße sind es vielleicht 250 Meter bis zur geplanten Biogasanlage. Die würde, wie auch die anderen, noch recht neuen Wirtschaftsgebäude, hart an der Grenze zum Landschaftsschutzgebiet in der Efze- und Schwalmaue entstehen.

Die Ställe, Hallen und Silos beeinträchtigen schon jetzt den Ausblick – aber das ist es nicht, was die direkten Nachbarn an der Bachstraße fürchten. „Wir haben Angst vor dem Lärm durch die Anlage, durch die anliefernden Lastwagen“, sagt Stefan Ebert. Und Nachbar Michael Zerbes hält die Wege, die zu der Anlagen führen werden, für zu schmal für die Belastungen.

Welche Ausmaße wird die Anlage annehmen, fragen sich Ebert, Zerbes, Koch und Mitstreiter. Die Silos sollen bis zu zwölf Meter hoch werden, Pläne für eine Vergrößerung lägen schon auf dem Tisch. Nach Angaben der künftigen Betreiber soll von 6 bis 22 Uhr Biomasse angeliefert werden, zu bestimmten Zeiten 50 Fahrten täglich.

Was die Unshäuser befürchten, das ist „ein landwirtschaftliches Industriegebiet“ direkt vor ihrer Nase. Dabei sei man als Bewohner dieses Ortes doch ohnehin schon gestraft mit der Bundesstraße 254, auf der Tausende von Fahrzeugen täglich mitten durch das Dorf fahren.

Was die Leute in der Bachstraße und darüber hinaus außerdem ärgert, ist das Vorgehen der Investoren. Informationen seien erst spät erfolgt, man werde immer vor vollendete Tatsachen gestellt. Es hätte doch auch andere mögliche Standorte der Biogasanlage gegeben, die die Menschen in Unshausen nicht so unmittelbar stören würde.

Doch von Gesprächs- oder Kompromissbereitschaft sehe man nichts, sagt Stefan Ebert. Vielmehr beklagt man „fadenscheinige Ausreden“. Für den Profit dreier Landwirte würden viele Unshäuser immer mehr belastet.

Landwirte investieren in erneuerbare Energie - "Keine großen Belastungen"

Die erste Schicht Mutterboden ist auf dem Grundstück am Rande des Landschaftsschutzgebiet an der Schwalmaue bei Unshausen schon abgetragen. Dort, in unmittelbarer Nähe von landwirtschaftlichen Gebäuden, Hallen und Ställen, entsteht eine Biogasanlage. SJS GmbH & Co. KG heißt das Unternehmen, das die Anlage baut und betreiben wird. Dahinter stecken keine Investoren aus Abu Dhabi, sondern Landwirte aus Unshausen und Niedermöllrich: Markus Steinmetz, Dietmar Jeppe und Volker Schmidt. Sie bewirtschaften gemeinsam 250 Hektar Ackerland und wollen mit der Biomasse, die sie dort ernten, mit Mist und Gülle aus ihren Ställen Biogas und daraus in einem Blockheizkraftwerk Strom sowie Wärme produzieren. Dass sie mit ihrem Vorhaben auf so viel Abwehr im Dorf stoßen würden, hätten sie zunächst nicht vermutet, sagen die Investoren im Gespräch mit der HNA. Schließlich seien Biogasanlagen politisch gewollt, der RP in Kassel habe die Anlage genehmigt. „Wir halten alle Vorschriften ein, sind 250 Meter von der Wohnbebauung weg, geben viel Geld für extra leise Motoren aus“, sagt Dietmar Jeppe. Zusammen mit der geplanten Begrünung der gesamten Gebäude werde es zu keinen übermäßigen Belastungen der Unshäuser kommen. Davon sind die Investoren überzeugt. An dem jetzigen Standort wird nicht mehr gerüttelt. Es gebe keine Alternative, außerdem müsse man bis Jahresende fertig sein mit dem Bau. Lärm durch Lieferfahrten werde es lediglich zur Erntezeit geben, das sei auch heute schon so. Durch das Dorf werde man höchsten zehn Prozent der Biomasse transportieren, den Rest über Feldwege. Zum Vorwurf der späten Information sagt Volker Schmidt: „Wir haben informiert, stehen auch heute jedermann Rede und Antwort.“ Wer etwas wissen wolle, könne sich jederzeit melden, auch mal vorbeikommen. Im 1. Bauabschnitt wird die Anlage 265 kW Energie produzieren, eine Erweiterung auf 500 kW ist geplant. Das ist lediglich ein Viertel der Größe der Anlage bei Homberg. „Wir investieren über eine Million Euro“, sagen die Landwirte, für die das Biogas eine neue Einkommensquelle bedeutet in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Der Gewinn bleibe außerdem in der Region: „Wir geben unser Geld hier aus, nicht irgendwo anders.“ (ula)

Das sagt der Bürgermeister:

Die kommunale Planungshoheit endet bei landwirtschaftlichen Bauvorhaben, denen ein so genannter Vorrang eingeräumt wird. Das betont Waberns Bürgermeister Günter Jung zum Problem der Genehmigung einer Biogasanlage an dem Standort in Unshausen. „Landwirten wird eine weitreichende Privilegierung vom Gesetzgeber eingeräumt“, sagte Jung gegenüber der HNA. Ihm gefalle das auch nicht, doch man könne rechtlich kaum etwas dagegen tun. Das Gesetz erlaube die „Zersiedlung der Landschaft durch die Landwirtschaft“. Auch er sei der Meinung der Unshäuser Protestler, dass es bessere Standorte für eine Biogasanlage gegeben hätte. Man habe seitens der Gemeinde auch Gespräche dazu angeboten, aber inzwischen spreche wohl die Dringlichkeit gegen eine Standortänderung. „Die Anlage muss wohl bis zum 31. Dezember 2011 ans Netz, sonst werden nicht mehr ausreichende Entgelte für die Einspeisung des Stroms gezahlt“, vermutet Jung. (ula)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare