Unterhaltung mit Tiefgang

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Philosoph mit Unterhaltungswert: David Precht widerlegte die These, dass Fairness dem Menschen angeboren ist.

Schwalm-Eder. Mit David Precht hatte die Kreissparkasse Schwalm-Eder für ihr jährliches Sparkassenforum einen Medienstar eingeladen, dessen Name Synonym für einen der wichtigsten deutschen Philosophen und Intellektuellen ist.

Sparkassen-Vorstand Wolfgang Rupp begrüßte in der Melsunger Kulturfabrik am Mittwochabend 800 Zuschauer aus dem Schwalm-Eder-Kreis, die von Precht Antworten hören wollten auf die Gewissensfrage: Sinkt die Moral oder steigt die Verantwortung?

David Prechts Buch „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ rangierte viele Monate in den Bestsellerlisten. Precht versteht es, Zeitgeistthemen aufzuspüren, Fragen aufzuwerfen, die sich die Bildungsschicht stellt, einen Bezug zu aktuellen Themen herzustellen und mit Sichtweisen von diesem oder jenem Philosophen zu verknüpfen.

„Akzeptanz treibt uns an.“

„Die Menschen müssen lernen, vernünftiger zu leben“ – Sätze wie diese verhallen im Nichts. Sagt Precht. Denn wer sind die Menschen? Verpflichtungen hat man als Eltern, Partner, Angestellte, aber „der Mensch als solcher ist eine Gemeinde, der anzugehören unmittelbar zu nichts verpflichtet“. Prechts Sätze sind immer druckreif. Immer klug, fundiert, durchdacht und nett. Er ist einer der gutaussehenden Figuren in der Literaturszene. Er hat die Philosophie gesellschaftsfähig gemacht, indem er sie in deutsche Wohnzimmer bringt.

Er widerlegte die These, dass Menschen einen angeborenen Sinn für Fairness haben, behauptete, dass der Mensch lieber der Böse als der Dumme und dass Schadenfreude eine wichtige soziale Funktion sei. Anerkennung, Respekt und Liebe seien die wichtigste Währung. „Egoismus beginnt da, wo ich meinen Egoismus auf Kosten und nicht zum Nutzen anderer pflege.“ „Akzeptanz treibt uns an“, konstatierte er. „Wir orientieren uns am Verhalten anderer.“ Verdrängung? „Ist gut. Menschen, die das nicht können, können nicht glücklich werden.“

20 Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss. „Die Politik kann dieses Problem nicht lösen“, sagte er. Sein Vorschlag: „Wir alle müssen dem Kevin oder Achmed Nachhilfe geben. Wir müssen an den Punkt kommen, wo Sie als dumm auffallen, wenn Sie nicht mitmachen“, sagte er mit Blick auf jedes Unternehmen und jede Person. „Ich habe versprochen, nicht zu moralisieren, jetzt habe ich es doch getan.“ (alx)

Quelle: HNA

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