Technisches und menschliches Versagen

Vor Tiger-Absturz fiel das System aus: Interner Bericht offenbart Fehler

Fritzlar. Technische Probleme und menschliche Fehler haben zum Absturz eines Kampfhubschraubers Tiger im März vergangenen Jahres geführt. Das geht aus einem bundeswehrinternen Bericht hervor, der der HNA vorliegt.

Bei dem Absturz in den bayerischen Alpen im März 2013 waren die beiden Piloten leicht verletzt worden, der Hubschrauber brannte aus. Im Abschlussbericht des Generals Flugsicherheit in der Bundeswehr sind eine Reihe von Ursachen aufgelistet.

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14 Minuten vor dem Absturz waren demnach im Cockpit Warntöne zu hören. Bei den beiden hintereinander sitzenden Piloten waren Sichteinrichtungen während des Nachtflugs ausgefallen. Beide hatten unter anderem keine „Symbology“ mehr. Dabei handelt es sich um Flugdaten, die in das Sichtfeld der Piloten eingeblendet werden.

Während der vordere Pilot das System wieder in Gang bekam, gelang das dem hinten sitzenden Soldaten („Gunner“) nicht. Laut Bericht war er dadurch abgelenkt und half dem anderen Piloten nicht bei der Landung.

Diese misslang unter anderem, weil der Flugzeugführer eine Anzeige in der Symbology aus dem Blickfeld verlor, die gerade bei einem Flug mit Nachtsichtgeräten wichtig ist. So wich die Blickrichtung des Piloten von der tatsächlichen Flugrichtung ab; er glaubte, er könne ohne Hindernisse landen. Tatsächlich krachte der Hubschrauber in einen bewaldeten Hang.

Fotos von der Absturzstelle

Fotos von Absturzstelle: Kampfhubschrauber Tiger verunglückt

Danach müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Der vordere Pilot lief um die brennende Maschine, um seinen Kameraden zu befreien. Doch das war schwierig, weil dessen Sitz in eine tiefe Notfallposition gefahren war und der Gurt sich verfing.

Der Bericht macht auch Mängel in der Ausbildung, speziell für Notfälle, deutlich. Außerdem fehlte an Bord eine Taschenlampe, die Soldaten mussten sich im Dunkeln mit dem Licht ihrer Handys orientieren.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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