Unwetter in Caßdorf vernichtet Existenz: Familie hatte keine Versicherung

Caßdorf. Überall Schlamm und Chaos: Wo sich noch vor einer Woche das Kosmetikstudio von Gabriele Brunner aus Caßdorf befand, herrscht nun das pure Chaos. Das Gewitter und der Starkregen, die vor einer Woche niedergingen, trafen Familie Brunner besonders hart.

Die Wassermassen, die sich den Roppershainer Berg hinunter in den Ort schoben, überschwemmten den Keller der Familie meterhoch. Der Schlamm der Felder hinterließ tiefe Spuren. Den Schaden schätzen die Brunners auf 80.000 Euro. Ob aber die Versicherung zahlt, ist ungewiss.

Sohn Thomas räumt mit Freunden den Keller aus. Sie schleppen verschlammte Elektrogeräte, völlig verdrecktes Geschirr, Möbel und Kleider aus dem Haus. Nichts von all den Dingen ist mehr zu gebrauchen. Für die Familie eine Katastrophe.

Dabei war der vergangene Mittwoch ein Tag wie jeder andere. Kosmetikerin Gabriele Brunner betreibt ein Kosmetikstudio im Keller ihres Wohnhauses. Vor einer Woche verabschiedet sie gegen 17 Uhr die letzte Kundin des Tages. Gabriele Brunner geht hoch in die Wohnung. Ihre 87-jährige Mutter befindet sich noch im Kellergeschoss.

Als es wenig später immer stärker regnet, beginnt das Chaos. Wassermassen stürzen plötzlich den Roppershainer Berg hinunter und fließen auf das Haus zu. Das Wasser schießt erst am Haus vorbei, reichert sich dann mit Schlamm von den Feldern an, ergießt sich in den Vorgarten. Dort steht es einen halben Meter hoch und drückt die Kellerfenster ein. Die Familie kann gerade noch die gehbehinderte Mutter aus der Kellerwohnung retten und sie in Sicherheit bringen. „Eigentlich hatten wir eine Geburtstagsfeier besuchen wollen“, sagt Gabriele Brunner. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir fort gewesen und die Mutter im Keller geblieben wäre.“

Tatsächlich, nicht auszudenken. Denn der Keller läuft binnen kurzer Zeit bis auf eine Höhe von 1,80 Meter voll mit Schlamm und Wasser. Die Caßdörfer und Hülsaer Feuerwehr sind bis 1 Uhr am Morgen im Einsatz.

Gabriele Brunner ist nun verzweifelt. Ihr Studio, das sie zwölf Jahre lang betrieb, ist zerstört, alle Gegenstände sind unbrauchbar. „Als erstes habe ich das Gewerbe abgemeldet“, sagt sie. Damit entfällt aber ihre Existenzgrundlage.

Freunde kommen vorbei, fahren all das unbrauchbar Gewordene auf die Müllkippe. Eine Trocknungsfirma soll verhindern, dass die Feuchtigkeit ins Mauerwerk zieht und das Haus beschädigt wird. Brunners nicht, ob die Versicherung ihn ersetzt. „Wir haben ja keine Elementarversicherung abgeschlossen“, sagt die Kosmetikerin. Das aber sei wohl die Voraussetzung für die Zahlung, so die bisherige Auskunft des Versicherungsvertreters.

Nun soll ein Sachverständiger alle Fragen klären. Zusätzlich gibt es einen Wasserrohrbruch, der versichert ist. „Wir hätten doch nie damit gerechnet, dass unser Haus überschwemmt werden könnte“, sagen Brunners. Allein könnten sie das Geld, das sie brauchen, um die Schäden zu beheben, nie aufbringen.

Quelle: HNA

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