"Wir sind normal, keine Exoten"

Urlaub ohne Kleidung im Naturschutzgebiet  Niedenstein

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Sie lieben die nackte Freiheit: Udo Pfeiffer (von links), Eckhard Summek, Brigitte Stroex, Sabine Joseph und Ulrike Pfeiffer machen regelmäßig Urlaub auf der FKK-Anlage in Niedenstein.

Niedenstein. Sie spielen Federball, schwimmen, kochen und entspannen - alles ohne Hemd und Höschen. Auf der Anlage des Naturistensportbundes Kassel ist Kleidung nicht nötig.

Auf dem FKK-Gelände im Naturschutzgebiet in Niedenstein ist in den Ferien einiges los. Neben den Vereinsmitgliedern sind viele Gäste aus Holland hier. Aber auch Finnen, Dänen und Ungarn schneien auf der Durchreise mit ihren Wohnwagen vorbei, um die Natur in vollen Zügen zu genießen.

Es gibt unter anderem einen Boule- und Tennisplatz, einen Sandplatz für Beachvolleyball und einen Schwimmteich mit Quellwasser. Außerdem eine Küche und einen Gesellschaftsraum. Auf einem der Stellplätze auf der Anlage haben sich auch die Holländer Hans Kokthuis (67) und Greetje Corsten (68) mit ihrem Wohnwagen niedergelassen. Nebenan haben sich die beiden zwei gemütliche Liegestühle aufgestellt, in der Mitte steht ein kleiner Tisch mit Büchern. „Wir kommen seit 1999 hierher“, erzählt die 68-Jährige. Nackt fühle sich das Paar einfach freier. „Man ist eins mit der Natur“, schwärmt der 67-Jährige, der nur einen Strohhut auf dem Kopf trägt. Jeden Morgen geht der Holländer eine Stunde im Teich schwimmen - natürlich nackt. „Das ist einfach herrlich.“ Nach dem Urlaub müsse sich das Paar erstmal wieder daran gewöhnen, Kleidung zu tragen. „Man schwitzt so und es ist ein unangenehmes Gefühl auf der Haut“, erzählt Corsten.

Am Schwimmteich: Sabine Joseph (Fritzlar, von links), Eckhard Summek (Vellmar), Ulrike und Udo Pfeiffer (Felsberg) und Brigitte Stroex ( Kassel) kühlen sich hier gerne ab. In den Teich darf man aber nur nackt.

Peinlich ist den FKK-Urlaubern ihre Vorliebe für nackte Haut ganz und gar nicht. „Sogar mein Chef weiß, dass ich hierher fahre“, erzählt Ulrike Pfeiffer (47) aus Felsberg. Mit ihrem Mann Udo verbringt sie derzeit ihren Jahresurlaub auf der Anlage. „Hier sind wir alle gleich“, sagt Udo Pfeiffer. Statussymbole gebe es nicht, das sei das Tolle am Nacktsein. „Viele verbinden nackte Haut nur mit Sex. Die denken, wir machen hier sonst was den ganzen Tag.“ Und dabei seien die FKKler doch „ganz normal“. „Wir sind keine Exoten“, betont Pfeiffer.

Brigitte Stroex aus Kassel macht seit 1967 Urlaub im Niedensteiner FKK-Paradies. Durch Zufall landete sie vor Jahren mit ihrem Mann auf einer kroatischen FKK-Insel - und das Nacktsein gefiel den beiden. „Am Anfang denkt man, jeder guckt, aber das ist Einbildung. Keiner interessiert sich für das Aussehen des anderen.“

Streng wie auf anderen FKK-Geländen gehe es in Niedenstein nicht zu, erzählt der Vereinsvorsitzende Eckhard Summek. Auf einigen FKK-Anlagen dürften weder Homosexuelle Urlaub machen, noch Leute mit Intimpiercings oder Tattoos. „Das ist uns hier völlig egal“, sagt Summek. „Jeder darf hierher kommen.“

Verein sucht Mitglieder

Händeringend sucht der Verein neue Mitglieder. „Gäste kommen genug, aber Mitglieder, die auch mit auf dem Gelände arbeiten, haben wir immer weniger“, erzählt Pfeiffer. Besonders junge Leute fehlten.

Für diejenigen, die zum ersten Mal FKK-Urlaub machen, hat Summek noch einen Tipp. Die Hautstellen, die sonst unter Bikini und Badehose versteckt sind, verbrennen nämlich blitzschnell. „Am besten mit Buttermilch einreiben, das kühlt und hilft der Haut.“

Weitere Informationen:

www.naturistensportbund-kassel.de

Quelle: HNA

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