Denkmalpfleger fanden Reste eines 3000 Jahre alten Gräberfeldes auf der Baustelle

Urnen unter der Molkerei

Die Grabstelle wird dokumentiert: Die Bodendenkmalpfleger fotografierten die Fundstellen der 3000 Jahre alten Urnengräber auf dem ehemaligen Molkereigelände. Fotos: privat

Borken. Dort, wo in Borken die Alte Molkerei stand, und jetzt ein Fachmarktzentrum entsteht, wurden vor 3000 Jahren Menschen beerdigt. Archäologen haben im Zuge der Bauarbeiten Reste von vier Urnengräbern gefunden, sagte Dr. Andreas Thiedmann vom Landesamt für Denkmalpflege auf HNA-Anfrage.

Durch Funde aus den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts sei bereits bekannt gewesen, dass an dieser Stelle ein größerer Friedhof war, sagte der Experte.

In der späteren Bronzezeit wurden wurden Tote auf dem Scheiterhaufen verbrannt, die Asche wurde in Urnen bestattet. Die Aschereste, der so genannte Leichenbrand, wurde an den in Borken gefundenen Scherben nachgewiesen, sagte der Archäologe.

In den 50ern waren auch Grabbeigaben entdeckt worden, was diesmal nicht der Fall war. Die neuen Funde seien durch die früheren Bauarbeiten für die Molkerei stark zerstört worden. Thiedmann sagt: „Sie sind in herzlich schlechtem Zustand.“

Scherben noch im Amt

Momentan befinden sich die Scherben noch im Landesamt in Marburg. Dort sollen sie aber nicht bleiben. Möglicherweise würden sie an das Landesmuseum in Kassel gegeben, sagte Dr. Thiedmann.

Die Stadt Borken hat Interesse geäußert, die Scherben selbst auszustellen, wie Bürgermeister Bernd Heßler bestätigte. Er habe allerdings noch keine Anfrage bekommen, sagte Dr. Thiedmann. Der Archäologe hat sich darüber geärgert, dass seine Leute für Bauverzögerungen verantwortlich gemacht würden.

Tatsächlich hätten die Archäologen in einem asphaltierten Bereich gearbeitet, der nicht unmittelbar auf dem Gelände liege, auf dem die Gebäude abgebrochen wurden. Die Bauarbeiter seien in ihrer Arbeit nicht behindert worden, nennenswerte Verzögerungen habe es nicht gegeben: „Wir bemühen uns, den Bauablauf nicht zu behindern“, betont Dr. Thiedmann.

Die Stadt Borken bestätigte, dass die Arbeiten parallel gelaufen seien. Marcus Drüke, Prokurist von APP, der Investor des Fachmarktzentrums, beharrte hingegen auf HNA-Anfrage, dass es zu einer kleinen Verzögerung gekommen sei.

Es habe sich dabei nicht um Wochen, sondern um nur wenige Tage gehandelt. Wegen der archäologischen Arbeiten hätte zweimal umgelagert werden müssen, das habe einige Auswirkungen gehabt.

Grundsätzlich liege man aber gut im Zeitplan, sagte Drüke. Mitte des Monats soll mit dem Hochbau begonnen werden.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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