Die Ursehnsucht des Menschen

Abwechslung auf dem Speiseplan: Obst und Gemüse aus eigenem Garten

Heimarshausen. Nur mit Mühe gewinnt die Sonne den Kampf gegen die dicken und schweren Wolken, die über Heimarshausen hinwegziehen. Die Hitze der letzten Tage hat den Obst- und Gemüsepflanzen im Garten von Waltraut Küllmer einiges abverlangt.

Es ist kein ordentlicher Garten. So scheint es zumindest auf dem ersten Blick. Knapp 40 Obst- und Gemüsesorten gedeihen auf der 300 Quadratmeter großen Fläche. Nichts wächst in Reih und Glied, aber alles hat einen sinnvollen Platz.

„Ich habe keinen sterilen Garten“, sagt die 65-Jährige. „Wenn da etwas wächst, was dort vielleicht nicht hingehört, dann lasse ich es auch mal da.“ Exoten sucht man vergeblich in Waltraut Küllmers Garten. „Das muss ich nicht unbedingt haben“, sagt sie. „Man muss nicht auf Krampf Auberginen im Garten pflanzen – das ist von der Natur vorbestimmt, in welchem Klima was gut gedeiht.“ Von der Ernte ihres Gartens zehren Waltraut Küllmer und ihr Mann das ganze Jahr über. Obst und Gemüse wird eingekocht, eingefroren oder eingelegt. Was zu viel ist, wird an Freunde und Bekannte verschenkt.

Eine absolute Delikatesse: Die geernteten Saubohnen kann man blanchieren, anschließend in einer Marinade aus Essig, Öl, Knoblauch und Gartenkräutern über Nacht legen. Einfach nur lecker. Und: Saubohnen enthalten die Aminosäure Levodopa, die die Bildung des Botenstoffs Dopamin im Gehirn unterstützt – auch als Glückshormon bekannt.

Seit vier Jahren bewirtschaftet die gebürtige Heimarshäuserin ihren Garten. Handschuhe kommen dabei nicht in Frage. „Ich muss mit meinen Händen in der Erde wühlen“, sagt die 65-Jährige. „Das ist für meine Seele gut.“ Der Garten von Waltraut Küllmer macht viel Arbeit – Gießen, Jäten, Ernten. Es müsse immer etwas gemacht werden. „Das ist einfach pure Lebensfreude“, betont sie.

„Ich habe einen etwas anderen Garten, weil er so wild ist. Er ist sehr vielfältig und gibt über das gesamte Jahr hindurch frisches Gemüse und Salat.“ Zwischen Kraut und Rüben herrscht aber kein heilloses Durcheinander, die Bepflanzung folgt bestimmten Regeln. „Mein Garten ist sinnvoll aufgebaut und beugt den Befall mit Ungeziefer vor“, sagt Küllmer.

„Durch die Ausdünstung der Pflanzen versprühen diese einen Duft, der die Schädlinge der anderen Pflanze vertreibt.“

Dabei steht die richtige Anordnung der Sorten im Fokus. Zwiebel und Möhren hat sie nebeneinander gepflanzt. Die Pflanzen verströmen einen Duft, der die Schädlinge vertreibt. Im Garten von Waltraut Küllmer entdeckt man einige Delikatessen. Beispielsweise das schon fast vergessene Gemüse Mangold und die Saubohne. (Rezept)

Ein absoluter Hingucker: Der rote Mangold ist ein sehr altes Gemüse und wächst bei Waltraut Küllmer im Garten.

Der Nutzgarten von Waltraut Küllmer zieht nicht nur die Blicke von Zweibeinern an. „Im Garten hat ein Reh vor kurzem die Rote Bete dezimiert“, sagt die Naturliebhaberin. Rehe seien Feinschmecker – daher wertet die 65-Jährige den Besuch als ein großes Kompliment für den Garten. Die Entscheidung für einen Nutzgarten liegt für Waltraut Küllmer klar auf der Hand. „Man hat frisches und unbelastetes Obst und Gemüse.“ Zudem schone der eigene Anbau von Lauch, Kartoffeln, Rosenkohl und Co. den Geldbeutel. Es sei eine Ursehnsucht des Menschen, den Boden zu bestellen und einige Wochen später die Früchte der Arbeit zu ernten. Ein Trend der insbesondere in unserer hochtechnisierten Umwelt wieder an Bedeutung gewinne. „Es ist ein Trieb des Menschen, sich ein Stück heile Welt zu schaffen.“

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

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