St. Marien bleibt vorerst geschlossen

Vandalismus in der Homberger Kirche

Homberg. Für viele Menschen sind Kirchen Orte der Besinnung, des Friedens und der Stille. Für viele, aber nicht für alle. In der Homberger Stadtkirche wurde das in den vergangenen acht Wochen immer wieder deutlich. Denn in dem Gotteshaus wurde randaliert.

Wachs von den Gebetskerzen wurde an den Wänden verschmiert, Teelichter umgekippt und durch den Raum geworfen. Es wurde in der Kirche geraucht und die Zigarettenreste liegen gelassen. Es wurde ein Stuhl durch die Kirche geworfen und zerstört, und auch der Feuerlöscher flog durch den Raum.“

Die Aufzählung von Pfarrerin Anke Zimmermann geht noch weiter. Denn auch zahlreiche Prospekte wurden zerstört und ein Schloss zum Instrumentenschrank aufgebrochen. Gestohlen wurde aber nichts. „Weil es hier auch nichts zu holen gibt“, so Zimmermann.

„Das, was in der Kirche passiert ist, ist die blanke Zerstörung“ sagt sie und ist fassungslos. Und weil die Beschädigungen immer größer wurden, hat sich der Kirchenvorstand jetzt dazu entschlossen, die Stadtkirche erstmal zu schließen. „Eigentlich war sie immer von 10 bis 17 Uhr geöffnet“, erklärt Zimmermann. Das sei jetzt nicht mehr der Fall. Erstmal.

„Es geht einfach nicht mehr. Nicht auszudenken, wenn der Inhalt des Feuerlöschers in der Kirche verteilt oder dort gezündelt wird“, sagt sie. Doch mit einer geschlossenen Stadtkirche will sich die Pfarrerin auf Dauer nicht zufrieden geben. „Wir schließen, bis wir eine Idee haben, wie wir der Sache entgegentreten können.“ Sie denkt dabei etwa an kürzere und bewachte Öffnungszeiten. Doch bis zu den Sommerferien bleiben die Türen der Stadtkirche für Besucher außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen.

Wer dennoch hinein möchte, hat dazu trotzdem eine Möglichkeit: „Es liegt ein Schlüssel bei der Touristeninformation. Gegen Vorlage des Personalausweises, kann man den Schlüssel dort erhalten.“ Sie sei traurig, gekränkt und auch etwas hilflos, sagt Zimmermann und blickt sich in der Stadtkirche um. Zugleich sei sie aber auch entschlossen, dagegen vorzugehen.

Zur Anzeige gebracht wurden die Vorfälle noch nicht, Zimmermann hofft auf ein Einsehen derer, die in der Kirche randalierten. „Das ist kein Kinderquatsch mehr. Das ist mutwillige Zerstörung und einfach nur dumm.“ Wegen „ein paar Doofen“, wie Zimmermann, die Randalierer nennt, wolle sie nicht aufgeben und die Kirche für immer geschlossen lassen.

„Die Kirche ist für viele Menschen ein wichtiger Ort. Eine Anlaufstelle.“ Das belegen auch zahlreiche rührende Kommentare im Gästebuch. „Dieser Raum hat eine Kraft – aber offensichtlich nicht für alle.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Maya Yüce

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