12-Jährige ist Mitglied der Jugendfeuerwehr Niedervorschütz

Vanessa Schmidt engagiert sich bei der Feuerwehr - trotz Handicap

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Ein gutes Team: die jungen Brandschützer (von links) Marie Schmidt, Vanessa Schmidt, Pascal Heineck, Chris Freudenstein und Hendrik Pfeil.

Niedervorschütz. Ein Dutzend Jugendliche flitzt auf der Wiese vor dem Feuerwehrgerätehaus in Niedervorschütz hin und her. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr bereiten einen Löschangriff vor. Mitten im Getümmel greift auch Vanessa Schmidt nach einem der Schläuche.

Wie die anderen trägt sie einen roten Helm und die blau-rote Feuerwehruniform. Und doch ist etwas anders: Vanessa Schmidt sitzt im Rollstuhl.

Die Zwölfjährige, die mit einem Spaltwirbel geboren wurde, wollte schon immer zur Feuerwehr. „Der Pate von meinem Bruder ist Feuerwehrmann“, erzählt sie, „da habe ich mal bei einer Übung zugeschaut.“ Zu sehen, wie Menschen aus einem brennenden Gebäude gerettet wurden – auch wenn es in diesem Fall nur Schauspieler waren – faszinierte das Mädchen.

Also ließ Vanessa nicht locker, bis ihre Eltern zustimmten und sie bei der Bambini-Feuerwehr in Felsberg anmeldeten. Das ist sechs Jahre her. Inzwischen ist Vanessa Mitglied der Jugendfeuerwehr in Niedervorschütz.

„Funken macht mir am meisten Spaß“

Eine Rollstuhlfahrerin bei der Jugendfeuerwehr – im Schwalm-Eder-Kreis sei das einmalig, sagt Sascha Sauermann, Jugendwart bei der Niedervorschützer Feuerwehr. „Wahrscheinlich sogar darüber hinaus“, vermutet er.

Die Jugendlichen bei der Jugendfeuerwehr in Niedervorschütz waren allerdings erstmal skeptisch, als Vanessa vor einem Jahr zu ihnen kam. „Schläuche ausrollen ist schließlich ganz schön schwer“, wirft Marie Schmidt ein. Die Zwölfjährige hatte ihre Zweifel, ob ein Mädchen im Rollstuhl das schaffen könnte. Doch die Zweifel sind verflogen: „Es ist, als wäre Vanessa so wie wir“, sagt Marie.

„Sie hält gut mit uns mit“, findet auch Hendrik Pfeil, „sie ist sogar besser als viele andere bei der Jugendfeuerwehr.“ Auch bei Feuerwehrwettbewerben macht Vanessa mit – als Gruppenführerin. „Funken macht mir am meisten Spaß“, sagt sie.

Kollegen helfen

Wenn es doch mal hakt, helfen ihr die Kollegen von der Jugendfeuerwehr. Als beim Schläucheausrollen ihr Rollstuhl auf dem Rasen blockiert, ist sie gleich von mehreren Jugendlichen umringt, die sie anschieben. „Vanessa stärkt unseren Zusammenhalt noch mehr“, findet der 16-jährige Pascal Heineck.

Bei der Niedervorschützer Feuerwehr hat man sich auf Vanessa eingestellt. „Unser Gebäude war früher ja gar nicht behindertengerecht“, erinnert sich der 16-jährige Chris Freudenstein. Das änderte sich schnell: Nach nur einem Monat war die Bordsteinkante vor dem Gebäude eingeebnet.

Keine Vorbehalte

Chris hat keine Vorbehalte mehr: „Ich sehe bei der Feuerwehr eine große Zukunft für Vanessa“, sagt er. „Es gibt schließlich auch rollstuhlgeeignete Einsatzfahrzeuge.“ Natürlich gibt es immer noch Momente, in denen Vanessa Schmidt ihr Handicap nicht vergessen kann.

So etwa, wenn die Jugendlichen bei einer Übung Leitern hinaufklettern sollen. Ob sie das als Hürde empfindet? Vanessa schüttelt nur den Kopf und lächelt. Dann folgt sie den anderen ins Feuerwehrgerätehaus.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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