Orkantief Xaver: Sturm und Schnee noch bis Freitag

Schwalm-Eder. Die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für den Schwalm-Eder-Kreis gilt noch bis Freitag. Darin wird vor Sturmböen bis 85 Kilometern pro Stunde und Schneefall oberhalb von 600 Metern gewarnt.

Bis Freitag, 10 Uhr, könne es stürmen, bis 18 Uhr Schnee fallen.

Die Menschen im Schwalm-Eder-Kreis stellten sich am Donnerstag auf das Orkantief Xaver ein, vom Weihnachtsmarkt-Betreiber bis zum Forstamtsleiter. Allgemeine Einschätzung: Bei uns wird es wohl nicht so extrem schlimm werden. Bis Donnerstagabend stimmte das auch.

Trotzdem gilt grundsätzlich etwa für alle Waldgebiete: Besser auch am Freitag und am Samstag keine Spaziergänge, Ausritte und Jogging-Touren durch den Wald planen.

Laut aktueller  Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes ist im Schwalm-Eder-Kreis mit starken Schneeverwehungen zu rechnen. Aufgrund von Neuschnee und Böen von 65 km/h, also 8 Windstärken, könnten oberhalb von 600 Metern starke Schneeverwehungen auftreten. Verbreitet werde es glatt. Im Laufe der Nacht zum Freitag sinke die Schneefallgrenze bis in die Tallagen. Möglicherweise werde die Warnung auf Höhenlagen unterhalb 600 Meter ausgedehnt.

Das empfiehlt der Leiter von Hessen-Forst in Jesberg, Karl-Gerhard Nassauer. Zwar sind schwere Sturmböen nur für die Hochlagen der nordhessischen Mittelgebirge angekündigt, aber auch dabei kann es vereinzelt zu gefährlichen Situationen kommen. Die derzeit sehr nassen Waldböden können laut Nassauer die Wurfgefahr im Wald noch begünstigen.

Wer mit dem Auto unterwegs ist in Waldgebieten, solle sehr aufmerksam auf die Strecke achten, wenn möglich sogar solche Bereiche meiden, besonders in den höheren Lagen. Die Forstamts-Mitarbeiter werden bei einer mittleren Warnlage wie zurzeit nicht zu ihren üblichen Arbeiten rausgeschickt, "das Risiko ist unkalkulierbar", sagt Nassauer.

In Homberg, wo am Freitag der Clobesmarkt beginnt, steht man ständig in Kontakt mit dem Wetterdienst, sagt Dr. Dirk Richhardt vom Stadtmarketingverein. Von dort gebe es allerdings Entwarnung, denn Homberg werde vom Sturm weniger betroffen sein, zudem soll am Freitag um 10 Uhr alles vorbei sein. Er habe die städtischen Bauarbeiter gebeten, alles für den Markt noch etwas besser zu sichern als üblich, zudem sollten bewegliche Teile erst am Freitag installiert werden, sagte Richhardt.

„Ich hoffe, dass es nicht so schlimm kommt“, sagte unterdessen Ulrike Keß vom Stadtmarketingverein Fritzlar. Am Freitag wird der traditionelle Markt eröffnet, diesmal auf dem Domplatz. Sie rechne nicht mit größeren Auswirkungen, sagte Keß, allerdings baue man vor.

So werde man beim Aufbau Händler ansprechen. Wer etwa ein Pavillonzelt nutzen wolle, werde gebeten, mit dem Aufstellen zu warten, bis sich der Sturm gelegt habe. Auch bei leichteren Teilen – etwa Zäunen – bitte man darum, sie zunächst noch nicht aufzustellen beziehungsweise anzubringen.

Ein Großteil der Marktbeschicker nutze allerdings feste Holzhütten, die verankert seien, oder Wagen, die sie ebenfalls für sicher halte, sagte Keß.

In Melsungen  blieb man gelassen: „Wir bleiben wegen der Lage Melsungens im Fuldatal von strengen Winden meist verschont“, sagt Bürgermeister Markus Boucsein. Auch für den Weihnachtsmarkt sieht er keine Gefahr. Der Marktplatz sei umbaut, die Stände windgeschützt. Pavillons seien ohnehin verboten. Auf dem Markt stünden nur solide Hütten.

Entspannt gibt man sich auch in Niedenstein. Zwei Partyzelte sollten für den Weihnachtsmarkt aufgestellt werden, sagte Matthias von Bredow von den Dienstleistern Niedenstein. Das werde aber erst am Freitagnachmittag oder spätestens am Samstag geschehen – dann sollte der Sturm sich längst gelegt haben. Die Lichterketten sollen bereits am Donnerstag aufgehängt werden, aber auch da rechnet von Bredow nicht mit Problemen. Eröffnet wird der Niedensteiner Weihnachtsmarkt am Samstag um 14 Uhr.

Im Gilserberger Hochland  wurden wegen des Sturms keine besonderen Vorbereitungen getroffen. Dort werden derzeit in zwei Ortsteilen die Windparks repowert. Die neuen, 138 Meter hohen Windräder werden derzeit aufgebaut, die Rotoren stehen deshalb noch still. "Die Windräder halten solche Turbulenzen aus", sagte Betreiber Helmut Lompe, "es wäre ja schlimm, wenn die Anlagen beim jedem Sturm gleich umkippen würden." Auch der riesige Baukran bleibt stehen, während Xaver über Nordhessen fegt.

Stabsraum wird eingerichtet

Die Warnung vor dem Sturmtief wird bei Feuerwehr und Katastrophenschutz des Landkreises dennoch ernst genommen. „Wir rüsten heute den Stabsraum aus“, sagte Kreisbrandinspektor Werner Bähr. Allerdings geschieht dies ohnehin etwa alle sechs Wochen, um die Ausstattung zu überprüfen.

Unter anderem werden Rechner und Lagekarten aufgebaut. Die Entwicklung des Sturmes werde beobachtet und je nach Warnstufe der Leistellen-Stab sowie die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden informiert. Dafür gebe es einen klaren Alarmierungs- und Einsatzplan, erklärte Bähr.

Wie beim Orkan Kyrill, der in der Nacht zum 19. Januar 2007 das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas beeinträchtigte. Die Böen erreichten Geschwindigkeiten bis zu 225 km/h. Er forderte 47 Todesopfer und führte zu erheblichen Schäden. Der Orkan Kyrill richtete auch im Landkreis große Verwüstungen an. Eine Bilanz: • 1500 Helfer waren im Einsatz • zwei Leichtverletzte • 237 Einsatzorte im Kreis • 200 Bäume auf den Straßen • 45 Straßen gesperrt • 10 Hochwasserschäden • 21 Dächer beschädigt • 7 Orte ohne Strom

(ode/ula/cls)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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