Verbotene Geschäfte für die Metzgerei - Ex-Inhaber vor Gericht

Schwalmstadt. Es ist der Stoff für einen Wirtschaftskrimi: Schauplatz ist eine Metzgerei in der Region, die bis zu ihrem zweiten Insolvenzverfahren im November 2008 gut 50 Mitarbeiter in mehreren Filialen beschäftigte.

Vor dem Amtsgericht in Treysa kamen am Donnerstag einige Kapitel zu den Umständen des schrittweisen Niedergangs des Familienunternehmens ans Licht.

Angeklagt war der 27-jährige Firmeninhaber, der den Betrieb im Herbst 2006 aus einem ersten Insolvenzverfahren von seinem Vater übernommen hatte - und damit auch die Verbindlichkeiten gegenüber Banken von damals etwa einer Million Euro.

„Das war der größte Fehler meines Lebens. Aber die Bank hat gesagt, wir stützen die Firma nur weiter, wenn der Vater den Betrieb übergibt“, sagt der Sohn rückblickend. Weil er sich in der Folge einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zum Nachteil der Bank verschaffte, verhängte das Gericht jetzt eine Geldstrafe von 3600 Euro gegen ihn.

Um an frisches Geld zu kommen, hatte der damals erst 23-jährige Firmenchef im November 2006 einen Kredit mit einer ortsansässigen Bank über 150 000 Euro abgeschlossen. Mit seiner Unterschrift unter einer Sicherungsübereignung versicherte er, dass im Falle einer Zahlungsunfähigkeit die Maschinen des Betriebs in das Eigentum der Bank übergehen sollten. Zuvor hatte er mit dem Kreditinstiut ein Zukunftskonzept für die Metzgerei entwickelt.

Gegen das Gesetz verstieß er deshalb, weil er der Bank nicht mitteilte, dass er wenige Wochen zuvor bereits mit seiner Großmutter eine Sicherungsübereignung für die Maschinen abgeschlossen hatte. Auch diesmal ging es um ein Darlehen von 150 000 Euro, dass ihm die Großmutter für den Kauf der Maschinen aus dem Familienbesitz gewährt haben soll - nach Einschätzung des Staatsanwalts ein Scheingeschäft.

Nachdem für die Metzgerei im November 2008 das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, hätte also zunächst die Großmutter Zugriff auf die Maschinen gehabt. Dazu kam es zwar nicht, weil der Insolvenzverwalter die mit 150 000 Euro veranschlagten Maschinen für 30 000 Euro verkaufte, aber die Bank hatte auch keinen Zugriff auf diese Vermögenswerte, um so einen Teil des ausgefallenen Kredits auszugleichen.

„Ich weiß nicht mehr, was ich damals alles unterschrieben habe“, sagte der Angeklagte. An die mit der Bank geschlossene Sicherungsübereignung könne er sich nicht erinnern. Richter und Staatsanwalt zeigten zwar Verständnis dafür, dass er mit Anfang 20 mit den Aufgaben überfordert war, dies entschuldige aber nicht sein Vergehen.

Beide nahmen aber auch die Bank in die moralische Verantwortung: Weil das Kreditinstitut den Familienbetrieb jahrelang als Kunde betreut habe, hätten angesichts der finanziellen Situation und offensichtlicher „Scheingeschäfte“ beim Bankvorstand „alle roten Lichter anfgehen müssen“, sagte der Staatsanwalt. Und zwar vor Abschluss des Kreditvertrages.

Die Bank versicherte, im Vorfeld genau geprüft zu haben, ob das neue Metzgerei-Konzept tragfähig ist. Auch externen Prüfern seien keine Zweifel gekommen. Weil der Kredit über die Hessische Bürgschaftsbank abgesichert war, bekommt die Bank nach Verfahrensabschluss ihren Schaden vermutlich ausgeglichen.

Quelle: HNA

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