Waren im Wert von 6,15 Euro gestohlen - 47-Jähriger freigesprochen

Fritzlar. Im Fritzlarer Amtsgericht verhandelt wurde jetzt gegen einen Mann, 1977 in Olsztyn geboren. Er ist deutscher Staatsbürger und gab den Ortsnamen Allenstein an.

Der Vorwurf lautete, in einem Lebensmittelmarkt in Melsungen im Jahr 2014 Waren im Wert von 6,15 Euro gestohlen zu haben.

Seinen damaligen Lebensunterhalt bestritt er von Hartz IV. Doch täglich benötigte er für seinen Drogenkonsum, wie etwa Heroin etwa 100 Euro. Deshalb reparierte er mit einem Freund Autos, die dann nach Polen verkauft wurden. Er betonte, bisher zu allen Taten gestanden und die Konsequenzen getragen zu haben.

An die Situation in Melsungen könne er sich jedoch absolut nicht mehr erinnern. Daraufhin wurde der Ladendetektiv vom Schöffengericht als Zeuge aufgerufen. Er hatte im vergangenen Jahr beobachtet, wie ein Mann etwas in die Jackentasche steckte und sich dann an der Kassenschlange vorbeidrängelte. Draußen wollte der Detektiv ihn stellen. Der Dieb schubste ihn jedoch zurück und rannte davon - „Nur weg wollte der“.

Es gelang, ihn am Schlafittchen, also am Kragen zu packen und die Jacke festzuhalten. Das darin befindliche Handy brachte im weiteren Verlauf die Polizei auf die Spur des Angeklagten. Der Marktleiter rief die Polizei, die das Geschehen aufnahm. Die in der Jackentasche gefundene Ware wurde per Bon registriert und in die Regale zurückgestellt. Die beiden als Zeugen geladenen Polizeibeamten mussten sich die Vorhaltung der Staatsanwältin gefallen lassen, dass keine Fingerabdrücke genommen wurden. Das hätte das Verfahren vermutlich vereinfacht.

Der Detektiv konnte sich auch bei einer direkten Gegenüberstellung mit dem Angeklagten nicht mit Sicherheit an ihn als Täter erinnern: Er war kleiner, nein, er war so groß wie…na, wie ich schon gesagt habe, es war derselbe Mann, aber viel größer.

Während der Verhandlung wurden nun Fotos vom damaligen Freund des Angeklagten von der Polizeiwache Bad Hersfeld angefordert. Vor längerer Zeit hatten ihn die dortigen Beamten erkennungsdienstlich behandelt. Trotz aller Technik war es nun nicht möglich, ein Foto von damals direkt an das Handy eines der anwesenden Polizisten zu senden. Es handelt sich um ein internes System und das Bild ging somit an die Polizeistation Fritzlar. Eine Beamtin brachte es anschließend mit dem Funkwagen zum Gericht.

Tatsächlich wies dieser Mann große Ähnlichkeit mit dem Angeklagten auf. Leider ist er jedoch vor einiger Zeit verstorben.

Die Prozessbeteiligten waren sich einig, der Angeklagte muss freigesprochen werden. Die Kosten gehen zu Lasten der Staatskasse. Die Richterin wendete sich ein letztes Mal dem erleichterten Beschuldigten zu: „Es konnte hier kein Nachweis geführt werden, dass Sie an der Tat beteiligt waren. Trotz des nun erfolgten Urteiles bleiben Sie der Tat verdächtig.“

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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