Ralph W. Mollerick lebt heute in Florida 

Verein arbeitet an Übersetzung der Biografie eines Wolfhager Juden

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Lässt derzeit die Biografie über Ralph W. Mollerick übersetzen: Ernst Klein, Vorsitzender des Vereins Rückblende – Gegen das Vergessen in Volkmarsen. 

Wolfhagen. Ralph W. Mollerick ist die letzte lebende jüdische Person, die ihre Kindheit in Wolfhagen verbracht hat. Derzeit arbeitet der Verein Rückblende – Gegen das Vergessen an der deutschen Übersetzung einer Biografie über das Leben des heute 87-Jährigen, der in Florida lebt.

Was fühlt ein Achtjähriger, der von seinen Eltern 1938 nach England geschickt wird? Zusammen mit der älteren Schwester verlässt der Junge Deutschland. Bis zu seinem siebten Lebensjahr wächst Wolfgang Möllerich in Wolfhagen auf. Als der Judenhass der Bevölkerung in der Kleinstadt für die Familie unerträglich wird, zieht sie nach Hamburg. Für Wolfgang Möllerich, der später in den USA seinen Namen in Ralph W. Mollerick ändert, wird der Tag der Abreise nach England zum Schicksalstag. Er sieht seine Eltern nie wieder.

Vor wenigen Monaten ist in den USA ein Buch erschienen, dass Mollericks Leben erzählt. Sein Freund, der Historiker David Herschler, ist der Autor der 400 Seiten starken Biografie. Im April wollen der dann fast 88-jährige Mollerick und Herschler Wolfhagen besuchen. Bis dahin will Ernst Klein, Vorsitzender des Vereins Rückblende – Gegen das Vergessen, eine deutsche Version des Buches vorlegen.

Derzeit werde mit Hochdruck an der Übersetzung der Biografie mit dem Titel „Kindertransport – Eine lebenslange Reise des Überlebens und der Erlösung“ gearbeitet, sagt Klein. Die deutsche Ausgabe der Geschichte von Wolfhagens letztem noch lebenden jüdischen Bürger, der seine Kindheit im Elternhaus an der Schützeberger Straße verbrachte und erst als betagter Mann in die Heimat zurückkehrte, soll etwas gekürzt werden, dafür aber mehr Fotos enthalten. Geplant ist eine Auflage von zunächst 500 Exemplaren. Klein rechnet für das Projekt mit Kosten in Höhe von 9000 Euro.

Die Idee zu dem Buch entstand im Mai 2016 in Volkmarsen. Herschler und Mollerick hatten in Volkmarsen die Geschichtswerkstatt Rückblende besucht, in der Ernst Klein eine unglaubliche Fülle an Fakten über das Leben der Juden in Nordhessen zusammengetragen und zu einer beeindruckenden Ausstellung hat zusammenfließen lassen.

Glücklicher Moment: Wolfgang Möllrich vermutlich in Wolfhagen.

Ralph Mollerick hatte eine schwere Kindheit und eine noch schwerere Jugend. In London wurden er und seine Schwester getrennt. Der Junge wohnte zunächst in einer Herberge und besuchte die Schule. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde das Kind nach Peterborough im Norden Londons geschickt. Der Schulwechsel und das Erlernen einer neuen Sprache seien für ihn sehr hart gewesen, sagt Mollerick rückblickend. Noch zweimal zog er um. Mit 15 Jahren machte er eine Lehre in einer Maschinenfabrik. Der Unternehmer erkannte die großen Fähigkeiten des jungen Mannes. Unter der Bedingung, tags zu arbeiten und nachts zu lernen, schickte er Mollerick an das Londoner Polytechnik Institut für Ingenieurwesen und übernahm alle Kosten.

1946 wanderten Mollerick und seine Schwester in die USA aus, wo er die High School beendete und studierte. Als Maschineningenieur arbeitete er die meiste Zeit seiner beruflichen Laufbahn für die NASA, wo er unter anderem an der Entwicklung vieler Wissenschaftssatelliten und -teleskope, etwa dem Weltraumteleskop Hubble, beteiligt war. „Für mich ist Ralph Mollerick das beste Beispiel dafür, dass man etwas aus seinem Leben machen kann, auch wenn die Voraussetzungen schlecht sind“, sagt Ernst Klein. Vor allem Schulklassen erzähle er die Geschichte von dem Jungen aus Wolfhagen sehr gern.

Quelle: HNA

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