Verein Schwertfechten in Nordhessen brachte Anfängern die Kampfkunst näher

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Fechten nur mit moderner Schutzkleidung: Auch wenn der Verein historische Kampftechniken vermittelt, steht doch immer die Sicherheit der Akteure im Vordergrund. Fotos:  Rose

Treysa. Am Samstag teilten die Mitglieder des Vereins „Historisches Schwertfechten Nordhessen" ihr Wissen mit Anfängern in der Halle im Ostergrund in Treysa.

Dorothea Paulekuhn stülpt sich die Fechtmaske übers Gesicht. Michael Sachse zurrt die schützende Jacke fest, überprüft noch einmal den Sitz seiner Handschuhe. Minuten später klirren die Klingen. Bei jedem Treffer biegt sich die Fechtfeder bedrohlich. Doch was gefährlich aussieht, ist in Wahrheit kalkulierbares Risiko: Alle Klingen sind stumpf, zwei Millimeter dick, die Spitzen mit Gummipfropfen abgepuffert. Was Dorothea Paulekuhn und Michael Sachse fasziniert, sind die traditionellen Kampfkünste Europas.

Um die Kunst des Kampfes authentisch zu rekonstruieren, bedienen sich die Mitglieder der Quellenforschung: Das heißt, sie studieren Fechtbücher und Beschreibungen, überwiegend aus dem 15. Jahrhundert, um die Techniken möglichst detailliert weiter zu vermitteln. „Uns geht es dabei nicht nur um den Sport, sondern auch um die Kulturpflege“, erklärt Sonja Heer. Die Waffen bezieht der Verein über Schmiede in Deutschland, Polen oder Tschechien, die die Sportgeräte in Kleinserien herstellen. „Ein Einsteigermodell ist ab 200 Euro zu haben“, erklärt Heiko Schwartz.

Konzentriert: Eine Teilnehmerin beim Einnehmen einer Kampf-Position.

Anfänger trainieren zunächst meist mit vereinseigenen Waffen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Fechten mit dem Schwert und der so genannten Fechtfeder. „Zum Einsatz kommen aber auch der Dolch oder das lange Messer“, erläutert Heer. Für die Kasselerin ist nicht nur das Fechten spannend und herausfordernd: „Man weiß nicht, wie es früher war. Deshalb ist das Studieren der Quellen sehr wichtig.“ Das Fechten sei weder eine Frage des Alters noch des Geschlechts, ist Heer überzeugt. Sie findet: „Die Waffe macht uns auch irgendwie gleich.“

Zur Arbeit des Vereins gehören historische Darstellungen: Mehrere Male im Jahr fahren die Mitglieder in Gewandung zu Spektakeln, um die fahrende Fechtschule des ausgehenden Mittelalters lebendig werden zu lassen. Bei aller Authentizität kommt moderne Schutzkleidung zum Einsatz. Denn der Kampf geht über das Duell mit dem Schwert hinaus. Zum Training gehört auch das Ringen am Schwert - der Nahkampf - wo Würfe oder Hebel angesetzt werden, um den Gegner zu entwaffnen. Als Grundlage eigne sich Kampfsport wie Judo, sagt Schwartz. „Aber auch Tänzer bringen gute motorische Fähigkeiten fürs Schwertfechten mit“, ist der Kasseler überzeugt.

Der Verein mit 128 Mitgliedern vermittelt die Fechtkunst des Spätmittelalters und der Renaissance. Trainiert wird in Bad Wildungen, Kassel und Schwalmstadt. Angeboten werden zudem Workshops, Seminare und Turnierfechten als Kampfkunst.

Von Sandra Rose 

• Mehr unter www.schwertfechten-nordhessen.de oder bei Heiko Meckbach, Tel. 0 16 0/99 17 05 54

Quelle: HNA

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