Verein will ältestes Gasthaus Hessens retten

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Sie kämpfen für die Krone: Dr. Gerhard Grebe (rechts), der Vorsitzende des Vereins Bürger für Homberg, und sein Stellvertreter Heinz Hause vor dem markanten Fachwerkgebäude.

Homberg. Stolz sind die Homberger auf die Krone, das älteste Gasthaus Hessens. Das markante Fachwerkgebäude am Rande des Marktplatzes ist seit 1721 ein Ort der Gastlichkeit. Doch nun droht ihr Stern unterzugehen.

Seit März steht das Haus leer. Der bisherige Pächter hat sich anderweitig orientiert. Dabei liefen die Geschäfte in Homberg nicht schlecht, aber neben der Pacht mussten immens hohe Nebenkosten aufgebracht werden. Die Krone schluckte einfach zuviel Energie. Der Niedergang des Traditionshauses hat den Verein Bürger für Homberg auf den Plan gerufen. Er möchte dafür sorgen, dass die Krone wieder mit Leben erfüllt ist.

Dazu werde aber einiges an Unterstützung durch die Homberger notwendig sein, meinen der Vorsitzende Dr. Gerhard Grebe und sein Stellvertreter Heinz Hause. Kurz zusammengefasst sieht das Konzept so aus: Der Verein kauft das Haus, es wird energetisch saniert und dann wieder als Gaststätte verpachtet. Bis dahin müssen aber noch viele Verhandlungen geführt und Optionen abgewogen werden. Knackpunkt ist die Finanzierung. Derzeit gehört die Krone einer Investment-Dachgesellschaft aus den USA. Sie ist bereit zum Verkauf, der geforderte Preis von 140 000 Euro sei bisher aber noch nicht akzeptabel, sagt Heinz Hause. „Da muss sich noch etwas bewegen.“

217 000 Euro, so hat der Verein errechnet, sind für die Sanierung erforderlich. Bei ihrem Finanzierungsmodell setzen die engagierten Bürger auf Unterstützung aus vielen Quellen. Der Verein ist aber auch bereit, selbst Geld beizusteuern. Bürger für Homberg, die „Pro Homberg Bürgerstiftung“, die Stadt sowie die Brauerei könnten etwa 120 000 Euro an Eigenkapital aufbringen, lautet derzeit die Rechnung. Weitere Hilfen – ideeller wie finanzieller Art – erhofft man sich von der Denkmalpflege, aus dem Stadtumbau-Programm sowie aus Programmen der Tourismus-Förderung. Das Wirtschaftsministerium und Homberger Unternehmen sollen angesprochen werden. Auch der Stadtmarketingverein habe Unterstützung signalisiert. Alle Homberger könnten sich mit Spenden oder einer Zustiftung bei der „Pro Homberg Bürgerstiftung“ an der Rettung der Krone beteiligen.

Auf diese Weise soll ein möglichst hoher Betrag eingespielt werden. Eine Deckungslücke würde der Verein auch durch einen Bankkredit schließen. Dieser Betrag dürfe aber nicht zu hoch ausfallen, um das Risiko überschaubar zu halten, sagt Dr. Grebe. Die Pachteinnahmen, die nach der energetischen Sanierung nur noch etwa halb so hoch sein sollen wie früher, würden den Kapitaldienst für den Kredit decken. Dass die Gastronomie in der Krone eine Zukunft haben kann, davon sind Hause und Grebe überzeugt. Das habe auch die Brauerei bestätigt. „Das ist eine großere Herausforderung, aber kneifen gilt nicht“, sagt Heinz Hause.

„Wenn die Homberger zu ihrer Krone stehen, ist das zu schaffen“, glauben die Vereinssprecher. „Bürger für Homberg“ habe sich laut Satzung dem Denkmalschutz und der Stadtbildpflege verschrieben. Dieses neue Projekt passe genau zu dieser Zielsetzung. Anfang nächsten Jahres soll das Konzept in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt werden. Hause: „Wir kämpfen für dieses Konzept. Aber ob es funktioniert, muss sich erst noch zeigen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Finanzierung: Verein hofft auf Zustiftungen

Der Verein „Bürger für Homberg“ verwaltet treuhänderisch auch die „Pro Homberg Bürgerstiftung“. Für das Projekt zur Rettung der Krone werden auch Spenden und Zustiftungen erbeten. Entsprechende Zahlungen sollen einem Sonderfonds „Gasthaus Krone“ zugeführt werden. Zum Verfahren heißt es in einem Informationsblatt: „Verein und Stiftung übernehmen die Verwendungsgarantie und sichern jedem Beteiligten die Rückzahlung zu, sollte wider Erwarten das Projekt letztlich nicht gelingen.“ Bankverbindungen: Konto 11111, BLZ 52062601, VR-Bank Schwalm-Eder und Konto 22222, BLZ 52052154, Kreissparkasse Schwalm-Eder. (hro)

Zur Geschichte:

Die Krone wird auf das Jahr 1480 datiert. Sie gehört damit zu den ältesten Homberger Häusern. Erbaut wurde es von dem wohlhabenden Wollhändler Albert Rückersfeld, der durch das mächtige Haus seinen Wohlstand demonstrierte. Den Dreißigjährigen Krieg überstand das Gebäude durch einen 1626 an die Besitzer ausgestellten Schutzbrief des kaiserlichen Generals von Tilly. 1721 gründete der damalige Besitzer Valentin Stirn in dem Haus die Gaststätte „Zur Reichskrone“. 1970 wurde das Gebäude von der Gesellschaftsbrauerei Homberg erworben. Nach umfangreicher Renovierung wurde die Krone 1972 wieder eröffnet. (red)

Quelle: HNA

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