Vereint gegen üble Keime

Kontrollieren die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften: Holger Pfetzing, Hygiene-Ingenieur des Kreisgesundheitsamtes am Mikroskop, und Dr. Peter Urban, Leiter Kreisgesundheitsamts. Foto: Mangold

Homberg. Wegen der Erkrankungsrate mit mehrfach-resistenten Erregern (MRE) gründet der Landkreis auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes und der Hessischen Infektionshygieneverordnung ein Netzwerk, dem sich Ärzte, Kliniken, Alten- und Pflegeheime, Pflege- und Rettungsdienste anschließen können.

Ziel ist: mit gemeinsamen Standards die Keime zu bekämpfen. Weil die Bakterienübertragung an der Kreisgrenze nicht halt macht, soll das MRSA-Netzwerk Schwalm-Eder dem Netzwerk Nordhessen beitreten. „Unser Ziel ist es, die Erkrankungsrate zu senken“, sagt Dr. Peter Urban, Leiter des Kreisgesundheitsamtes.

Antibiotika ohne Wirkung

Die widerstandsfähigen Keime, die unempfindlich gegen viele Antibiotika geworden sind, werden besonders in Altenheimen und Krankenhäusern gefürchtet. Denn während bei gesunden Menschen die Keime teilweise zur normalen Hautbesiedelung gehören, ohne eine Erkrankung auszulösen, können sie bei Kranken, Alten sowie nach chirurgischen Eingriffen, schwere Infektionen verursachen.

Bakterien wie der Multi-Resistente Staphylokokkus Aureus (MRSA) sind in Altenpflegeeinrichtungen ein Problem, sagt Urban. Pflegepersonal sei oft unsicher, wie man mit infizierten Patienten umgehen soll. Beispielsweise könne man während der Behandlung die Betroffenen nicht einfach isolieren, das würde ihre Situation verschlechtern.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt Richtlinien zur Bekämpfung der widerstandsfähigen Keime vor, etwa bei welchen Patienten eine Kontrolle auf MRE vor der Aufnahme in die Klinik erfolgen sollte. „Das Netzwerk soll dazu beitragen, die Empfehlungen umzusetzen“, sagt Holger Pfetzing, Hygiene-Ingenieur und Leiter der Abteilung Hygiene des Kreisgesundheitsamts.

Verbesserung der Kontakte

Bestandteil der Netzwerkarbeit sind Standards bei der Überleitung der Patienten von einer zur anderen Einrichtung. Um den Informationsfluss zwischen Krankenhaus und Altenheim zu verbessern, sollen in einem Überleitungsbogen die Patientendaten festgehalten werden. Informationen zur Bekämpfung der Keime und eine Mitgliederliste, werden im Internet veröffentlicht. Für Hausärzte, die Pflegeeinrichtungen betreuen, ist eine Kostenregelung für Abstriche geplant. Urban ist optimistisch, dass mit dem Netzwerk die Infektionsrate gesenkt werden kann. Denn das Bewusstsein für das Problem habe sich inzwischen geändert.

HINTERGRUND

Der Multi-Resistente Staphylokokkus Aureus (MRSA) ist häufig in der Nase, im Rachen, in der Leistengegend und im Darmbereich zu finden, mitunter in Wunden und im Blut. Man unterscheidet die vorübergehende Besiedelung mit dem Keim, die dauerhafte Kolonisation und die Infektion.

Bei einer Kolonisation hat sich der Keim über Monate und Jahre bei den Betroffenen niedergelassen. Um ihn loszuwerden, ist in der Regel eine Sanierung mit Desinfektionsmitteln erforderlich.

Bei einer Infektion befindet sich der Keim in einer Wunde, der Blutbahn, der Lunge, oder in den Harnwegen. Die Folgen sind unter anderem Entzündung und Gewebezersetzung.

Neben MRSA gibt es andere Multi-Resistente Erreger (MRE), die die Wundheilung stören und schwere Infektionen auslösen können. Nachgewiesen werden die Erreger mit einem Abstrich aus Nase, Leiste oder Wunde sowie mit einer Blutuntersuchung, der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), die innerhalb weniger Stunden ein Ergebnis zeigt.

Meldepflichtig sind die Keime nur bei Nachweis im Blut oder wenn viele positive Abstriche an einem Ort auf gehäufte Neuinfektionen hinweisen. (yma)

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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