Gemeinnütziger Arbeit

Verfolgung mit Samurai-Schwert: Vier Männer verurteilt

Fritzlar. Gestohlenes Geld, ein Messernarr und ein Rächertrupp beschäftigten am Donnerstag das Jugendschöffengericht in Fritzlar.

Dabei wurden vier junge Männer, die 17 bis 20 Jahre alt sind, zu gemeinnütziger Arbeit, zu einem Drogenkurs und zu einem Tag „Lernen durch Erfahrung“ im Strafvollzug Ziegenhain verurteilt.

Im Frühjahr 2014 war der Jüngste gerade 15 Jahre alt. Ins Haus seiner Eltern lud er einen Freund ein, der wiederum einen Bekannten mitbrachte. Zu Dritt wurde Playstation gespielt. Die Mutter kam nachts von der Arbeit. Sie entdeckte, dass ihr vierhundert Euro gestohlen worden waren. Schnell wurde klar: Es war der Bekannte.

Ein Rächertrupp wurde zusammengetrommelt. Einer besaß bereits ein Auto. Der Dieb war als Drogendealer bekannt. So wurde telefonisch Marihuana im Wert von etwa vierhundert Euro bestellt. Am vereinbarten Treffpunkt sollte das Päckchen dann als Ausgleich „abgerippt“, also entwendet werden. Zu viert ging es zu einer Bushaltestelle in Kirchberg. Der Besteller wartete dort. Die anderen versteckten sich hinter einem Sandhügel. Jetzt kam der vermeintliche Verkäufer. Er hatte eine Art Leibwächter dabei, auch wenn dieser erst fünfzehn Jahre und zudem einen Kopf kleiner war. Doch es war ein Messernarr und beide hatten sich aus seiner Sammlung eingedeckt. So gab es ein Samurai-Schwert, am Gürtel mit Klebeband befestigt. Dann noch drei Messer mit bis zu 15 Zentimeter langen Klingen.

An der Haltestelle angekommen, konnte gerade noch mitgeteilt werden, dass es keine Drogen gäbe. Da nahten gebückt rennend wie Ninjas, die Drei vom Sandhügel. Der kleine Leibwächter blieb stehen, in jeder Hand ein Messer. Schnell ließ er die Waffen bei dieser Übermacht fallen.

„Hilfe! Sie wollen mich abstechen!“ 

Sein Meister jedoch rannte laut schreiend los: „Hilfe! Sie wollen mich abstechen!“ Das Samurai-Schwert blitzte im Laternenlicht. Da zog sein Verfolger einen Teleskop-Schlagstock.

Ein Auto mit zwei Frauen näherte sich. Als sie die Typen mit heruntergezogenen, schwarzen Kapuzen sahen, drückten sie angstvoll die Verriegelung. Da rüttelte schon der Erste an der Klinke. Voller Wut stach er mit dem Schwert in die Karosserie. Später musste der Wagen in die Werkstatt.

Jetzt war der Verfolger in seinem Rücken. Schwertschwingend wandte sich der Flüchtende um. Ein Aufschrei! Die Fingerkuppe des Mannes mit dem Schlagstock war ab. Da kam auch schon die Polizei und sammelte Jungs und Waffen ein.

Das Gericht beschließt eine „Wahlfeststellung“. Bei der zu verhandelnden Tat geht es entweder um versuchten, schweren Raub, oder um versuchte, räuberische Erpressung.

Die Jugendgerichtshilfe schildert ausführlich die vier Lebenswege, die überwiegend geordnet verliefen. Die Angeklagten sind geständig und einsichtig. Die Staatsanwältin spricht von einem Glücksfall bei diesem Strafmaß. Der Richter meint, das Ganze entbehre nicht einer gewissen Ironie. Die Angeklagten hätten sich die Lektion erteilt, die dem Opfer zugedacht war. Alle Beteiligten verzichten auf Rechtsmittel. Das Urteil wird angenommen.

Der Jüngste spricht sein Schlusswort: „Die Aktion ist aus dem Ruder gelaufen und es tut uns allen sehr leid.“

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare