Viele Straftaten: 34-Jähriger akzeptierte Urteil

Verfolgungsjagd auf Suche nach Familie - Prozess

Kassel/Fritzlar. Der Mann auf der Anklagebank hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Sylvester Stallone alias Rocky: klein, muskelbepackt, dunkellockig. Und weswegen der 34-Jährige am Dienstag vor der Berufungskammer des Kasseler Landgerichts saß, hatte auch tatsächlich wie in einem Actionfilm geendet.

Und zwar mit einer Verfolgungsjagd auf der Autobahn, bei der sich der Angeklagte mit seinem Wagen mehrfach überschlagen und doch nur leicht verletzt hatte.

Es war der dramatische Höhepunkt einer Serie von Straftaten, die der am Niederrhein lebende Mann an zwei Tagen im Dezember 2011 in Nordhessen hingelegt hatte – und die ihm später eine Verurteilung zu zwölf Monaten Gefängnis durch das Amtsgericht in Fritzlar eintrug.

Wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Führerschein und Beleidigung. Weil der Mann das jedoch nicht akzeptieren wollte, ging es nun in Kassel in die zweite Runde. Die dauerte allerdings nicht lange: Nach viel gutem Zureden zog der Angeklagte seine Berufung zurück. Denn schon vor dem Amtsgericht hatte er zugegeben, dass er sich bei seiner ungestümen Suche nach Frau und Kindern, die nach einem Ehestreit zu Verwandten nach Nordhessen geflohen waren, nicht eben gesetzestreu verhalten hatte.

Dass er ohne Fahrerlaubnis mit geklauten Nummernschildern unterwegs gewesen war. Dass er in Hofgeismar und Fritzlar getankt hatte, ohne zu bezahlen. Dass er sich mit Angehörigen in Wabern anlegte, bis die die Polizei riefen – und er halsbrecherisch und filmreif die Flucht antrat.

Mit Cannabis im Blut. Und am nächsten Morgen hatte er dann auch noch einen Beamten angespuckt, der ihn aus dem Krankenhaus in den Polizeigewahrsam bringen wollte.

Nichts davon bestreitet der Angeklagte. Ihn wurmt nur, dass im Urteil nichts von dem angeblich ruppigen Vorgehen der Polizei steht: „Sollen die Schläge, die ich bekommen habe, gratis sein?“ Dennoch sieht er schließlich ein, dass sich allein dafür eine komplett neue Verhandlung nicht lohnt. Zumal er wegen weiterer Vorfälle aus jenen turbulenten Tagen – unter anderem soll er bei Kleve versucht haben, einen Motorradpolizisten zu überfahren – mittlerweile auch von anderen Gerichten verurteilt wurde.

Von Joachim F. Tornau

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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