Nach Fall in Köln

Vergewaltigungsopfer: Fritzlarer Hospital würde Frauen nicht wegschicken

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Fritzlar. Aus religiösen Gründen verweigerten zwei katholische Kliniken in Köln einem Vergewaltigungsopfer die Behandlung und schickten die junge Frau nach Hause. So etwas würde in Fritzlar nicht passieren, sagt Dr. Wolfgang Dausch, Ärztlicher Direktor am Hospital zum Heiligen Geist.

 „Unser Haus ist zwar nicht in katholischer Trägerschaft, aber wir sehen uns schon in einer christlich-katholischen Tradition“, sagt Dausch. Die Gynäkologie im Hospital sei eine Belegabteilung, Räume und Betten werden vom Krankenhaus gestellt, die Ärzte praktizieren jedoch frei. „Wir haben zwei Gynäkologen, die hier Belegbetten haben“, erklärt Dausch. Letztendlich wäre es ihre Entscheidung, ob sie jemanden behandeln oder nicht.

Die junge Frau aus Köln, die nach einer Vergewaltigung für die Sicherung möglicher Spuren von einer Notärztin ins Krankenhaus geschickt worden war, wollte man nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers dort nicht behandeln. Der Grund: Eine Untersuchung zur Spurensicherung wäre mit einem Gespräch über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch und dem Verschreiben der Pille danach verbunden gewesen. Darin sehen die katholischen Betreiber der beiden Kölner Krankenhäuser einen Bruch mit ihrer religiösen Überzeugung. „Ein Gespräch über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch ist natürlich möglich“, sagt Dausch. „Aber eine Abtreibung würde in unserem Haus nicht vorgenommen.“ Darauf habe man sich mit der gynäkologischen Abteilung geeinigt. Der medizinische Eingriff selbst stünde im Gegensatz zum Glauben, ein Gespräch darüber nicht. Auch das Verschreiben der Pille danach kann sich Dausch vorstellen. Das sei allerdings ebenfalls eine Entscheidung des behandelnden Arztes, „Aber ich sehe da kein Problem, wenn die Betroffene darauf besteht.“

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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