Mann gibt an, unter Angstzuständen gelitten zu haben

Wegen Messerattacke vor Gericht: Unter Alkohol rastete er aus

+

Ein 62-Jähriger, der im August 2014 einen Nachbarn mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hat, muss sich nun vor dem Landgericht Kassel verantworten. 

Wenn er getrunken hatte, war er nicht mehr er selbst, das berichtete die 59-jährige frühere Mitbewohnerin des 62-Jährigen, der vor knapp acht Monaten im Kreisteil Fritzlar-Homberg einem Hausbewohner ein Messer in den Bauch stieß und ihm lebensgefährliche Verletzungen zufügte, die eine Notoperation im Klinikum Kassel erforderten.

Weil er trotz medikamentöser Behandlung unter Angstzuständen litt, habe er viel getrunken. Durch den Alkohol wurde er nervös und aggressiv. „Es war ein Teufelskreis, dann hatte er richtige Paranoia“, erzählte die 59-jährige.

Gestern begann das auf fünf Tage angesetzte Sicherungsverfahren gegen den 62-Jährigen, der zur Tatzeit an einer paranoiden Schizophrenie gelitten und im Zustand einer verminderten Schuldfähigkeit oder auch Schuldunfähigkeit gehandelt haben soll. Der Beschuldigte absolvierte zwei Ausbildungen zum Landmaschinenschlosser und Heizungsmonteur und rutschte nach seiner Kündigung bis in die Obdachlosigkeit ab.

Seit vielen Jahren lebt er von einer Berufsunfähigkeitsrente, die er „wegen meiner Krankheit“ bekommt, wie er erklärte. „Ich bin Alkoholiker“, sagte der 62-Jährige vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel.

Am Tattag, dem 21. August 2014, sei er am Morgen in die Stadt gegangen, habe sich zwei Brötchen gekauft und im Tagesaufenthalt für Obdachlose gefrühstückt.

Am Nachmittag habe er zehn Flaschen Bier getrunken. Seine Mitbewohnerin hatte schlechte Laune und ihn beschimpft, berichtete er. Weil sie keine Ruhe gab, habe er sie der Wohnung verwiesen.

Sie ging zu ihrem früheren 51-jährigen Freund und späteren Opfer, der ein Stockwerk tiefer lebte und beschwerte sich. Daraufhin sei der 51-Jährige nach oben gegangen, er hatte den 62-Jährigen beruhigen wollen.

Der Angeklagte, der sich etwas zu Essen machen und nach eigenen Angaben eine Tomaten schneiden wollte, ging zur Tür, weil es klopfte. Das Messer mit der 20 Zentimeter langen Klinge hielt er noch in der Hand. Als er die Türe öffnete, habe ihn der Nachbar angesprungen, berichtete der Beschuldigte. „Ich wollte das gar nicht, das ist einfach passiert“, sagte er.

„Wahrscheinlich hatte er seine Medikamente nicht genommen“, meinte das 51-Jährige Opfer, das berichtete, dass der 62-Jährige die Türe öffnete und ihm sofort in den Bauch stach. Einen zweiten Stich konnte er abwehren. Eigentlich sei er friedlich, bestätigte das Opfer. Hatte er aber getrunken, wurde er aggressiv und fühlte sich verfolgt.

Weil laut Anklageschrift „weitere erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind, die für die Allgemeinheit gefährlich sind“, wird nun geklärt, ob der 62-Jährige, der derzeit in einer Klinik für forensische Psychiatrie untergebracht ist, in eine Psychiatrie zwangseingewiesen wird.

Fortsetzungstermin: Montag, 20. April, Landgericht Kassel, Saal D130 Uhr.

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion