Landrat lehnte Alt-Kennzeichen ab

"Ein Stück Freiheit": Verkehrspsychologe zu Diskussion über HR-Kennzeichen

Schwalm-Eder. HR – diese zwei Buchstaben sorgen im Landkreis für eine große Diskussion. Grund ist ein HNA-Interview, in dem Landrat Frank-Martin Neupärtl sich gegen die Einführung der Alt-Kennzeichen ausspricht. So viele Leser-Kommentare wie selten zuvor erreichten uns daraufhin.

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Landrat Neupärtl will keine Wiedereinführung von Alt-Kennzeichen

Für den Vorsitzenden des Bundesverbandes der niedergelassenen Verkehrspsychologen, Dr. Karl-Friedrich Voss, ist klar, warum das Thema so viele Menschen beschäftigt: „Die Gebietsreform wurde vor über 40 Jahren einfach über die Köpfe der Leute hinweg entschieden und sie wurde in vielen Landkreisen über das Knie gebrochen. Es gab viele schmerzliche Einschnitte“, sagt er. Daran erinnerten sich noch viele Menschen, so werde oft ja auch noch in Altkreis-Grenzen gedacht. Die HNA arbeite im Landkreis auch in vier Redaktionen – in den drei ehemaligen Kreisstädten und in der jetzigen Kreisstadt Homberg, nennt er ein Beispiel.

„Die Leute wollen jetzt einfach die Wahl haben“ Das habe etwas mit Identifikation aber auch mit Nostalgie zu tun, erklärt Dr. Voss, der in Hann. Münden lebt. Dort sind die Alt-Kennzeichen bereits wieder eingeführt. Er selbst habe aber an seinem Wagen nach wie vor das GÖ-Kennzeichen für Göttingen. „Das ist meine freiwillige Entscheidung.“ Aber warum sollten nicht alle, die es wollen, das Alt-Kennzeichen bekommen?, fragt der Diplom-Psychologe.

Eigentlich kein Problem

Dr. Karl-Friedrich Voss

Verwaltungstechnisch sei das jedenfalls kein Problem. Im Gegenteil: Schildermacher und auch der Landkreis könnten daran sogar verdienen. Und streng genommen sei die Einführung der Alt-Kennzeichen nur die Fortsetzung der Wunschkennzeichen, die ja bei vielen Leuten sehr beliebt seien.

Die Begründung Neupärtls, dass es keine sachlichen Gründe für die Wiedereinführung gebe, tut der Verkehrspsychologe ab: „Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Alt-Kennzeichen wollen, aber man sollte darüber die Basis entscheiden lassen.“ Kein Landrat sollte das der Bevölkerung vorschreiben. „Das ist doch auch ein Stück Freiheit und wenn man die Freiheit so einfach bekommen kann, dann sollte man das auch zulassen“, fordert Dr. Voss. Schließlich schade man damit doch niemandem.

Mehrheit muss dafür sein

Allerdings müsse klar sein, dass die Mehrheit der Menschen in einem Landkreis auch hinter der Entscheidung stehe und nicht nur eine kleine, laute Gruppe für viel Wirbel sorge, fügt er an.

Warum in einigen Landkreisen die Diskussion um die Alt-Kennzeichen mit Feuereifer geführt werde und sie dagegen in anderen Orten gar kein Thema sei, kann sich der Psychologe auch erklären: „Dort, wo die Gebietsreform weh getan hat, wünschen sich die Menschen verstärkt die Alt-Kennzeichen zurück.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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