Verliebt wie am Anfang: Leni und Horst Knobel feiern Gnadenhochzeit

Ein Herz und eine Seele: Leni und Horst Knobel haben beinahe ihr gesamtes Leben miteinander verbracht und feiern heute ihren 70. Hochzeitstag. Foto: Rehermann

Spangenberg. Leni und Horst Knobel sind seit 70 Jahren verheiratet und feiern Gnadenhochzeit

Die Hochzeitsfeier von Leni und Horst Knobel war im Jahr 1945 eine kurze Angelegenheit: Pünktlich um 22 Uhr verschwanden die Gäste aus dem Goldenen Löwen in Spangenberg, um rechtzeitig zur Sperrstunde zu Hause zu sein. Die Mutter der Braut tauschte Kaffee und Zigaretten auf dem Schwarzmarkt gegen Lebensmittel für das Festessen. Das Hochzeitsfoto - nicht vorhanden. Kameras und Filme waren wie so vieles andere Mangelware in dieser Zeit.

„Wir waren eines der ersten Paare, die nach dem Krieg in Spangenberg getraut wurden“, erzählt Horst Knobel. „Eigentlich wollten wir schon früher heiraten, aber damals musste man warten, bis man 21 war.“

„Ich musste damals noch meine Eltern um Erlaubnis fragen“, fügt Leni Knobel hinzu. Heute ist Horst Knobel 91, Leni 88 - und sie sind an ihrem 70. Hochzeitstag noch so verliebt wie früher. Die beiden spielten in den frühen Dreißigerjahren schon am Schlossplatz in Kassel zusammen. „Da haben wir uns aber immer geärgert“, wehrt Horst Knobel die Frage nach der Sandkastenliebe ab.

Wiedersehen durch Zufall 

Der Krieg verschlug ihn nach Russland, von wo er mit einem zertrümmerten linken Arm zurückkehrte und in Spangenberg unterkam.

Dort führte der Zufall die beiden wieder zusammen: Leni Knobel war mit ihrer Mutter ebenfalls nach Spangenberg gezogen, um dem ausgebombten Kassel zu entfliehen.

Eines Tages begegneten sie sich auf der Straße wieder. „Da war ich wirklich überrascht, als ich Leni gesehen habe“, erinnert sich Horst Knobel, „und hab mir gedacht, was ein schöner Schwan sie doch geworden ist.“ „Och Horstchen“, fällt ihm seine Frau ins Wort und lächelt herzlich.

Kurz diskutieren sie darüber, wann sie sich zum ersten Rendezvous trafen, beim ersten Kuss sind sie sich jedoch gleich einig. „Das war hier in Spangenberg auf dem Treppchen in Richtung Oberstadt“, erinnert sich Leni.

10 Monate später heirateten die beiden und nur wenige Monate später erblickte die erste Tochter das Licht der Welt.

Vertrauen, Liebe und Respekt 

Drei Kinder haben Knobels in Spangenberg großgezogen - zuerst in einer Zweizimmerwohnung, dann als Untermieter und später in ihrer Doppelhaushälfte. Große Konflikte hatten sie während der gesamten Zeit jedoch nie.

„Wir haben uns nie so gestritten, dass einer im Bösen aus dem Haus gegangen ist“, sagt Leni Knobel. „Das lag auch daran, dass wir einen unheimlichen Respekt voreinander haben. Das, und das Vertrauen und die Liebe, das war uns immer das wichtigste.“

Zudem hätten sie einander immer Freiräume gelassen, erzählt Leni Knobel weiter, und nach vorne geblickt. „Wir erinnern uns immer an die schönen Sachen und feiern jeden Tag, dass wir einander haben.“

Die heutige Gnadenhochzeit reiht sich da ein in die schönen Erinnerungen.

Im Familienkreis feiert das Jubelpaar heute mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln im selben Raum, wo sie damals frühzeitig ihr Fest beenden mussten - nur dieses Mal mit Kamera und ohne Sperrstunde.

Quelle: HNA

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