Als Versicherungen noch im Viehmarktszelt besiegelt wurden

Die Rechenmaschine reichte aus: Der verstorbene Allianz-Mann Erich Abel am Tag der Firmengründung vor 50 Jahren in Wolfhagen. Foto: privat/nh

Wolfhagen. Der neue Bulle im Stall muss versichert werden und zwar umgehend, dachte sich der Landwirt, der den inzwischen verstorbenen Wolfhager Versicherungsmann Erich Abel beim Viehmarkt traf. Also wurde das Angenehme mit dem Nützlichen verknüpft. Die beiden Männer traten sofort in Vertragsverhandlungen. Auf dem Bierdeckel wurde der Name des Bullen vermerkt, von beiden unterschrieben und anschließend das Geschäft mit einem Bier besiegelt.

„Früher wurden Versicherungsgeschäfte eher unkonventionell abgewickelt“, erzählt Rolf Abel augenzwinkernd, der das 50-jährige Firmenjubiläum des Allianz-Versicherungsunternehmen für eine Rückschau nutzt. Schon mit sechs Jahren hat er seinen Vater begleitet, wenn der monatlich seine Kunden zu Hause besuchte, um die Versicherungsbeiträge zu kassieren. Für den Sohn gab es dabei meistens Schokolade und für den Vater frisch Geschlachtetes. „Soviel Kundenähe wie damals gibt es nie wieder“, sagt der 49-Jährige etwas wehmütig.

Vielleicht war es die Erinnerung an diese Zeit, die Rolf Abel das Jahresgespräch mit seinen Kunden hat einführen lassen. Aber das hat auch noch ganz aktuelle Gründe: „Wir leben heute in einer Zeit, wo sich Versicherungsbedingungen, Haftungsgrundlagen, Gesetze und letztlich auch die persönlichen Verhältnisse rasend schnell ändern.“ Da sei es wichtig, die Kundenverträge immer wieder auf den neusten Stand zu bringen. Früher im Kuhstall, heute auch schon mal per Videokonferenz, wenn der Kunde weit entfernt wohnt.

Als Erich Abel die Hauptvertretung der Frankfurter Allianz vor 50 Jahren gründete, stand eine einfache Rechenmaschine auf seinem Schreibtisch. „Heute ist alles zu hundert Prozent digitalisiert“, erklärt Rolf Abel. In den 1960-er Jahren gehörte der Gebäude-Feuerschutz zu den Top-Versicherungen und die Unfallversicherung, als Schutz gegen den Verlust der Arbeitskraft. Die Aussteuer wurde per Blockpolice versichert. Der Versicherer riss ein Blatt vom Block ab, auf dem der Name des Kindes und der Versicherungswert, meistens waren es 5000 Mark, vermerkt waren.

Wenn Rolf Abel heute nach den wichtigsten Versicherungen gefragt wird, nennt er Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung, Pflegeversicherung und die Altersvorsorge. Mehr als hundert gibt es darüber hinaus.

Außerdem sind Versicherungen heute auf viel mehr Feldern unterwegs als früher: Fondsgeschäfte, Warenkreditversicherungen, Baufinanzierungen und Bausparen.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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